„Reiten ist wie Fahrradfahren – das verlernt man nicht“. Doch für Wiedereinsteiger nach einer längeren Pferdepause, zumal für Erwachsene, ist die Rückkehr in den Pferdesattel keine Sache von jetzt auf gleich. So gelingt der Neustart in die Pferdewelt.

Wen die Begeisterung für Pferde einmal richtig erfasst hat, den lässt sie meist ein ganzes Leben lang nicht mehr los. Doch nicht immer kann sich die Liebe zu den edlen Vierbeinern mit dem Halten eines eigenen Pferdes oder im Rahmen einer Reitbeteiligung durchgängig beibehalten lassen. Familie, Ausbildung oder Job – da kann es durchaus passieren, dass im Lauf der Jahre auch einmal eine längere „Zwangspause“ vom Reiten nötig wird.

Passt dann doch wieder ein Pferd in die eigenen Lebensumstände, ist beim „Neustart“ ins Pferdeleben zunächst die eine oder andere Hürde zu nehmen. Das beginnt schon bei der eigenen körperlichen Fitness. Runter vom Sofa und gleich in der nächsten Reitschule eine Reitstunde buchen ist jedenfalls keine gute Idee. Denn auch wenn Reiten kein Kraftsport ist -oder wenigstens keiner sein sollte – braucht es doch schon etwas Kondition und Ausdauer, um die erste Reitstunde nach Jahren nicht zu einem Fiasko werden zu lassen. Joggen und regelmäßig ein wenig Gymnastik können vorab nicht schaden, die „eingerosteten“ Muskeln wieder in Schwung zu bringen.

 

Reiten verlernt man nicht

Dabei ist es wie beim Fahrrad- oder Skifahren: grundsätzlich „verlernt“ das Gehirn die für das Aufsteigen und den sicheren Sitz im Sattel nötigen Bewegungsabläufe nicht. Aber der dabei angesprochenen Muskulatur fehlt es ohne Training zunächst an der nötigen Kraft. Das Problem dabei ist nämlich, dass Muskeln, die über einen gewissen Zeitraum -und ich rede hier nicht von Jahren, sondern von Wochen oder gar nur Tagen- nicht beansprucht werden, schnell an Leistungsfähigkeit einbüßen. Wer nicht täglich im Sattel sitzt, kennt den fiesen Muskelkater in der Bauchdecke und in den Oberschenkeln nach einer Reitstunde nur zu genau. Körperliche Fitness ist darüber hinaus ganz wichtig, um das Verletzungsrisiko am und auf dem Pferd zu minimieren.

 

Am besten mit Unterstützung

Nach längerer „Abstinenz“ gelingt die Rückkehr ins Reiterleben am besten mit einem versierten Coach und einem geeigneten Pferd.

Sich in dieser Phase des Wiedereinstiegs Hilfe zu holen, ist übrigens kein Zeichen von Schwäche oder reiterlichem Unvermögen; selbst Profis im Spitzensport nehmen regelmäßig Trainerstunden, um an ihrem Sitz und ihrer Hilfengebung zu arbeiten und zu feilen. Auf der Suche nach einem geeigneten Coach kann es helfen, sich in den Reitschulen der Umgebung zu erkundigen, ob dort auch Stunden für ältere Wiedereinsteiger angeboten werden. Das hat zudem den Vorteil, die Halle oder den Platz gewissermaßen mit „Gleichgesinnten“ zu teilen. Seine Runden im Sattel als einziger Erwachsener unter lauter jugendlichen Reitschülern zu drehen, ist ja schließlich nicht unbedingt jedermanns Sache.

Auch der vierbeinige „Coach“ sollte mit Bedacht ausgewählt werden. Es braucht zwar nicht das langgediente, abgestumpfte Schulpferd zu sein. Aber eine gewisse Langmut und Balance des Pferdes, auch mal gröbere Fehler im Sitz oder in der Haltung zu verzeihen, sind für den Anfang schon sehr hilfreich. Den reiterlichen Neustart gleich auf einem sensiblen, nervösen Pferd zu wagen, kann jedenfalls gründlich daneben gehen. Übrigens: der „Kasernenhof-Ton“, den die älteren unter uns vielleicht noch aus ihrer Zeit als Reitanfänger kennen, gehört im Reitunterricht zum Glück seit langem der Vergangenheit an.

Wer keine Lust auf Zehnerkarte und feste Reitstundenzeiten hat, für den kommt möglicherweise eine Reitbeteiligung in Frage. Haben Sie einen Stall in die engere Wahl genommen, sollten Sie auf jeden Fall mit offenen Karten spielen und den Pferdebesitzer oder die Pferdebesitzerin darauf hinweisen, dass Sie eine längere „Pferdepause“ hinter sich haben und erst ein wenig Zeit brauchen, sich wieder in die entsprechenden Abläufe einzufinden. Der Pferdehalter kann dann besser einschätzen, ob sein Pferd auch zu Ihnen passt. Aber auch im Falle einer Reitbeteiligung sollten Sie Anfangs keine „Alleingänge“ im Sattel wagen. Es ist auch hier überhaupt kein Zeichen von Schwäche oder Unvermögen, den Pferdehalter gelegentlich den einen oder anderen prüfenden Blick auf Ihre Haltung, Hilfen und Sitz werfen zu lassen. Sondern im Gegenteil der beste Weg, sich schnell wieder im Sattel zurecht zu finden. Denn wie gesagt – Reiten verlernt man nicht.