Die Achterbahnfahrt der Temperaturen in diesem viel zu milden Herbst bedeutet für manche Pferde eine erhöhte Gefahr, sich eine Kolik einzufangen. Doch dass Wetterschwankungen als Ursache für Darmprobleme infrage kommen, ist noch wenig bekannt.

Leidgeprüfte Halter darmempfindlicher Pferde kennen das Problem nur zu gut: trotz bester Haltungsbedingungen und bestmöglicher Fütterung passiert es immer wieder, dass ihre Schützlinge in der Übergangszeit vom Herbst zum Winter und vom Winter in den Frühling immer wieder eine Kolik bekommen.

 

Gefährliche Wetterlaunen

Grund für einen solcherart gestressten Darm sind die rasch aufeinanderfolgenden Wetterwechsel von Hoch- und Tiefdruckgebieten in den Übergangsjahreszeiten Herbst und Frühling. Ist das Wetter hinsichtlich der Lufttemperatur, des Luftdrucks und der Luftfeuchtigkeit im Sommer und Winter meist sehr stabil, rührt der „Wettergott“ dagegen im Spätherbst und im frühen Frühling in seiner „Wetterküche“ ganz ordentlich herum. Die Wetterbedingungen werden instabil, und rasche Wetterwechsel machen dem Pferdedarm zu schaffen. Mal weniger, mal mehr. Was auch nicht weiter verwundert, denn der Darmtrakt unserer Vierbeiner hat eine riesengroße Oberfläche, die zudem sehr stark von Nerven durchzogen ist. Vielen Tierärzten genügt schon ein Blick auf die abendliche Wetterkarte der Tagesschau, um zu ahnen, dass sie in der bevorstehenden Nacht durch das Klingeln des Notfall-Telefons ihrer Praxis aus dem Schlaf gerissen werden. Solche „Wetterkoliken“, wie ich sie nenne, kommen auch nicht ganz plötzlich quasi „aus heiterem Himmel“, sondern kündigen sich wie jede andere Kolik mit den üblichen Kolik-Anzeichen an: Unruhe, häufiges Drehen des Kopfes in Richtung Bauch, nervöses Scharren in der Streu, häufiges Hinlegen und Wieder-Aufstehen.

 

Gespür entwickeln

Pferde sind, wie wir Menschen ja eigentlich auch, Geschöpfe, die in der Natur und aus der Natur heraus leben. Für Besitzer darmempfindsamer Pferde bedeutet das, im Laufe der Zeit Erfahrungen zu sammeln, welche Wetterlage ihrem Pferd gefährlich werden kann. Um ein heraufziehendes Gewitter wahrzunehmen, braucht es natürlich keine prophetischen Gaben.  Ein feineres Gespür fürs Wetter und bevorstehende Wetteränderungen zu entwickeln, funktioniert nur aus der achtsamen Beobachtung der Natur. Und ja, verlassen Sie sich dabei auch ruhig auf Ihr „Bauchgefühl“. Die Wetter-App auf dem Smartphone ist dagegen wenig hilfreich, weil mathematische Wettermodelle für die genaue Wettervorhersage direkt am Stall oder auf der Weide viel zu ungenau sind. Und wer nicht den ganzen Tag drinnen auf der Couch vor dem Fernseher verbringt, sondern sich mit seinem Pferd viel draußen aufhält, lernt sowieso schnell, das Wetter für die nächsten Stunden voraussehen zu können.

 

Ruhe bewahren

Ist es dann mal wieder „soweit“, und kündigt sich ein Wetterumschwung an, hilft es Ihrem Pferd am meisten, wenn alles ganz normal weiterläuft. Denn werden Sie in Erwartung eines möglicherweise bevorstehenden „Kolik-Wetters“ selber unruhig oder nervös, merkt Ihr Pferd natürlich erst recht, dass buchstäblich etwas „in der Luft liegt“, vor dem es sich fürchten muss. Behalten Sie Ihre tägliche Stallroutine bei, aber fahren Sie das Trainingspensum für die nächsten Tage ein wenig herunter, damit Ihr Pferd diese Zeit ruhig und gelassen überstehen kann. Und wenn Sie es sich einrichten können, dann schauen Sie jetzt und in den nächsten Tagen auch ruhig öfter als sonst mal bei Ihrem Pferd vorbei, um sein Befinden besser einschätzen und frühzeitig handeln zu können.

 

Rechtzeitig vorbeugen

Seit Menschengedenken hat das Wetter seine eigenen Regeln. Das heißt aber nicht, dass wetterempfindsame Pferde den Launen der Natur schutzlos ausgeliefert wären. Denn Ihr Tierarzt kennt bestimmt das eine oder andere Medikament, das Sie Ihrem Pferd verabreichen können, um der nächsten Kolik vorzubeugen, oder wenigstens den Verlauf abzumildern. Auch naturheilkundliche Arzneimittel können hilfreich sein, einen bevorstehenden Wetterwechsel ohne Bauchschmerzen für sein Pferd auf sich zukommen zu lassen. Natürlich nützt es dabei nichts, das betreffende Mittel wohlverwahrt im heimischen Apothekenschränkchen zu lagern. Es sollte vielmehr im Stall ständig griffbereit sein, und lieber einmal zu viel als zu wenig gegeben werden können.