Gründliches Putzen des Pferdes vor dem Satteln ist zwar für jeden Reiter Pflicht, aber nicht immer nur beliebt. Ganz zu Unrecht, denn ausgiebige Fellpflege hat viele Vorteile. Nicht nur für das Pferd.

Für die einen gibt es nichts Schöneres, als stundenlang ausgiebig an ihrem Pferd herum zu schrubben, für andere ist das Putzen trotz aller Notwendigkeit nur ein lästiges, zeitraubendes Übel. Ganz besonders für die Reiter von Schimmeln, deren Pferde den Schmutz irgendwie geradezu magisch anzuziehen scheinen. Und leidgeprüfte „Schimmelreiter“ haben die Erfahrung gemacht, dass sich ausgerechnet ihr Pferd -natürlich absichtlich- viel häufiger wälzt und dreckig macht als die Pferde von Mitreitern, deren Huftiere ein dunkles Fell haben.

An diesem meist doch sehr subjektiven Eindruck kann aber auch ein Körnchen Wahrheit dran sein. Denn in „freier Wildbahn“ ist das weiße Fell von Schimmeln für Fressfeinde schon aus der Ferne viel besser zu sehen als ein Dunkles. Das häufigere Wälzen von Schimmeln sehen manche Verhaltensforscher darin begründet, dass die Tiere versuchen, sich dadurch besser zu tarnen.

 

Nützliche Pflichtübung

Ganz egal, ob Schimmel, Brauner, Falbe oder Rappe – gründliches Putzen muss nun mal sein. In der Sattel- und Gurtlage ist Gründlichkeit sogar ganz besonders wichtig, weil an diesen Stellen sonst Staub und Dreck die Haut unter dem Sattel und dem Gurt auf- oder sogar blutig scheuern können. Und dann ist es natürlich mit dem Reiten erst einmal für eine ganze Zeit vorbei.

Putzen ist aber auch aus anderen Gründen ein guter Gesundheitsschutz. Schon in den „Hippologischen Mitteilungen und Notizen über die Natur, Eigenschaften, Pflege und Verwendung der Pferde“ aus dem Jahr 1878 findet sich zum Thema „Putzen“ folgender Eintrag: „Ein Pferd gut zu putzen, gewährt demselben unendlich größere Vorteile als man gewöhnlich glaubt. Es veranlasst das Zuströmen des Blutes zur Oberfläche des Körpers, verhindert dadurch eine Stockung der Säfte in den inneren, edlen Organen, befördert eine allgemeine Circulation des ganzen Systems, gibt der Lunge Elasticität und unterstützt wesentlich Athem und Verdauung.“

Kräftiges Putzen regt aber nicht nur den Kreislauf und den Stoffwechsel des Pferdes an. Auch der Reiter profiziert gleich in doppelter Hinsicht von einem sauberen Pferd. Denn auch sein eigener Kreislauf wird durch gründliches Schrubben des Pferdefells ganz ordentlich in Schwung gebracht. Was jeder, der sein Pferd für die Reitstunde von der Weide holt, um es zu putzen und zu satteln, sicher nur bestätigen kann. Dieses „warming-up“ des Reiters hat noch einen weiteren positiven Aspekt: durch die Putzarbeit wird man schon vor dem Aufsitzen warm und die Muskeln elastisch, man verliert ganz allgemein die Alltagssteifigkeit.

 

Putzen stärkt die Bindung

Wer sich durch das Putzen schon vor der Reitstunde oder dem Ausritt intensiv mit seinem Pferd befasst, festigt so ganz nebenbei auch die Beziehung zu seinem Reittier. Denn das geputzt-werden wird von den allermeisten Pferden als etwas sehr Angenehmes empfunden. Von rossigen Stuten vielleicht einmal abgesehen, die können das Herumschrubben an ihrem Körper schnell doof finden. Hier heißt es dann, Rücksicht zu nehmen und empfindliche Stellen während der Zeit der Rosse vielleicht nicht ganz so gründlich zu bearbeiten.

Richtiges Putzen ist übrigens eine ausgesprochen dynamische Angelegenheit und kann für Mensch und Pferd keine lästige Pflicht, sondern vielmehr ein tolles Erlebnis zu zweit sein. Allerdings nur, wenn beim Putzen der Spaß nicht zu kurz kommt. Machen Sie das Putzen lediglich zu einer stummen und „automatisch“ ablaufenden Sache, nur unterbrochen von Ermahnungen an Ihr Pferd, doch „endlich mal still zu stehen“, bringen Sie sich und Ihr Pferd um ein eigentlich doch sehr interaktives Kommunikationsvergnügen. Ein Pferd, das sich beim Putzen nicht auch mal bewegen darf, um zu zeigen, dass es hier oder dort gerade besonders juckt oder irgendetwas stört, wird versuchen, diese Prozedur irgendwann einfach nur noch stoisch zu überstehen.

Übrigens ist das Putzen und Vorbereiten eines Pferdes auch ein guter „Seismograph“ für sein Wesen und seine momentane Stimmung. Profis, die ein fremdes Pferd zum ersten Mal reiten sollen, übernehmen das Putzen und Vorbereiten schon aus dem Grund selbst, um sich ein unvoreingenommenes Bild des betreffenden Pferdes zu machen. So lässt sich schon beim Putzen schnell herausfinden, ob es sich um ein nervöses, vielleicht etwas kitzliges Tier handelt, das unter dem Sattel viel Aufmerksamkeit erfordern wird, oder um ein ruhiges, vielleicht eher etwas phlegmatisches, das in der nachfolgenden Reitstunde möglicherweise ein wenig triebig ist.

 

Ab nach draußen

Um aus einer Pflichtübung ein tolles Erlebnis werden zu lassen, sollten Sie Ihre Putz-Session zudem nach Möglichkeit nach draußen an die frische Luft verlegen. So vermeiden Sie, dass der aus dem Fell herausgeputzte Staub Augen und Nase nicht nur Ihres Pferdes belastet. Was sich jetzt in der Zeit des Fellwechsels ganz besonders deutlich bemerkbar macht. Die frische Luft und der Ausblick draußen am Putzplatz sind für Ihr Pferd weitere Pluspunkte, die das Putzen zu einer besonderen Abwechslung im Pferdealltag werden lassen.