Den ganzen Tag über mit Pferden zusammen sein zu können, mit Ihnen zu Arbeiten und sie liebevoll zu versorgen – gerade für junge Reiterinnen und Reiter ist der Gedanke verlockend, sich als Pferdewirtin oder Pferdewirt ausbilden zu lassen. Aber der Ausbildungsalltag im Stall und im Sattel ist nicht immer nur ein „Ponyhof“.

Um es gleich vorweg zu nehmen – der Beruf des Pferdewirts oder Berufsreiters ist bei genauem Hinsehen eigentlich kein Beruf, sondern eine wirkliche Berufung. Denn die Liebe zum Pferd wird im (Ausbildungs-) Alltag manchmal auf eine harte Probe gestellt. Es macht nämlich einen ganz großen Unterschied, ob eine Pferdenärrin oder ein Pferdenarr freiwillig ihre oder seine Freizeit beim Pferd verbringt, oder ob das Reiten und Versorgen der Pferde zur täglichen Pflicht wird. Auch ist dieser Beruf kein typischer 8-Stunden-Job, bei dem um 17.00 Uhr „der Griffel fallen gelassen“ werden kann. Die Arbeitszeiten richten sich vielmehr nach den im jeweiligen Ausbildungsbetrieb aktuell anfallenden Arbeitsaufgaben. Und da kann es dann schonmal sein, dass aus einem 8-Stunden-Tag schnell ein sehr viel längerer Arbeitstag weit in den Abend hinein wird.

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Wer die Wahl hat…

Wer sich für eine Ausbildung zum Berufsreiter entscheidet, muss sich vor Ausbildungsbeginn klar darüber sein, wohin die reiterliche Reise gehen soll. Denn das Berufsbild des Pferdewirts kennt insgesamt fünf Fachrichtungen, zwischen denen man sich entscheiden muss: Pferdehaltung und Service, Pferdezucht, klassische Reitausbildung, Pferderennen mit den Einsatzgebieten Rennreiten und Trabrennfahren oder Spezialreitweisen, vertreten durch das Gangpferde- und das Westernreiten.

Die Ausbildungsordnung sieht dabei vor, dass sich der oder die Ausbildungswillige bereits vor Antritt der Ausbildung zwischen diesen fünf Schwerpunkten entscheiden muss. Denn danach richtet sich nicht zuletzt auch die Wahl des entsprechenden Ausbildungsbetriebs. Eine sehr gute Adresse bei der Suche nach einem passenden Pferdebetrieb, der Berufsreiter ausbildet, sind die Internetseiten der Landwirtschaftskammern der Länder. Hier finden sich nicht nur Ausbildungsadressen, sondern auch Ansprechpartner, die konkret weiterhelfen können. Ein anderer ganz heißer Tipp sind die Informationsveranstaltungen der Bundesvereinigung der Berufsreiter im DRFV e.V. Ein Anruf, was wann wo stattfindet, lohnt sich immer.

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Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Die Ausbildung zum Pferdewirt ist eine staatlich anerkannte Berufsausbildung. Das bedeutet, dass die Ausbildung dual, also sowohl praktisch auf einem Pferdebetrieb erfolgt, aber zweimal in der Woche auch ein Besuch in der zuständigen Berufsschule ansteht, um den theoretischen Ausbildungsanteil „abzuarbeiten“. Ein kleiner Wermutstropfen ist dabei, dass Berufsschulen, die Pferdewirte unterrichten, nicht sonderlich „dick gesät“ sind. So gibt es beispielsweise in Nordrein-Westfalen lediglich drei Berufsschulen für Pferdewirte: das „Berufskolleg Humboldtstraße“ in Köln, das „Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg“ in Münster und das Berufskolleg Wesel.

Auch hinsichtlich der Vergütung müssen pferdebegeisterte Azubis starke Nerven haben. Denn das Ausbildungsgehalt beträgt in Anlehnung an den „Tarifvertrag für Auszubildende in der Landwirtschaft“ im ersten Lehrjahr monatlich 690,-- Euro, im zweiten Ausbildungsjahr sind es 740,-- Euro und im dritten Ausbildungsjahr 790,-- Euro. „Große Sprünge“ sind damit eher nicht drin.

 

Beruf mit Aufstiegschancen

Mit dem Bestehen der Abschlussprüfung zum staatlich geprüften Pferdewirt ist das „Ende der Fahnenstange“ für ein (Berufs-) Leben in der Welt der Pferde aber noch lange nicht erreicht. Denn es gibt zum Einen die Möglichkeit, eine Fortbildung zum sehr vielfältigen Beruf des Pferdewirtschaftsmeisters zu absolvieren. Zum Anderen steht Fortbildungswilligen nach bestandener Abschlussprüfung als Pferdewirt auch der Weg in ein Studium der Agrarwissenschaften an Fachhochschulen und Hochschulen offen.

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Hohe Erwartungen

Auch die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe an angehende Pferdewirte können sich sehen lassen. Ohne ein tiefgehendes Verständnis für Pferde, eine gute Beobachtungsgabe sowie eine bereits vorhandene mehrjährige Erfahrung im Umgang mit Pferden geht es schon mal gar nicht. Und der oder die Ausbildungswillige sollte nicht nur sehr gut mit Pferden können, sondern auch Freude am Kontakt und Umgang mit Menschen haben und außerdem die Bereitschaft zu unregelmäßigen Arbeitszeiten mitbringen.

Letztendlich ist die Entscheidung, den Beruf des Pferdwirts zu ergreifen, keine Berufswahl. Sondern die Entscheidung für ein Leben mit Pferden. Mit allem Drum und Dran. Und ja, auch mit dem berüchtigten Ausmisten der Boxen.