Wohl jeder Reiter wünscht sich ein motiviertes, ausbalanciertes und feinfühliges Pferd mit einem gelassenen, ausgeglichenen Wesen. Wir haben einmal bei den bekanntesten Profi-Ausbildern der Pferdebranche nachgefragt, wie das Training dafür am besten gelingt. Das sagen Ingrid Klimke, Uta Gräf und Anja Beran.

Mit Pferden ist es manchmal wie mit Menschen. Wer sich jeden Morgen gelangweilt zur Arbeit schleppt, um den Arbeitstag nur irgendwie hinter sich zu bringen, für den bleiben Motivation und Begeisterung für den Job irgendwann auf der Strecke. Auch ein Pferd, das beständig nicht viel mehr zu Gesicht bekommt als seine Box und die Routine in der Reitbahn, wird irgendwann bestenfalls nur noch irgendwie „funktionieren“. Von Motivation und Begeisterung ist dann auch hier keine Spur mehr.

Das wissen natürlich auch die ganz Großen im Reitsport. Für Ingrid Klimke, mehrfache Olympiasiegerin und eine der erfolgreichsten Reiterinnen der Welt, ist Abwechslung im Training daher einer der wichtigsten Kernpunkte ihrer Trainingsphilosophie. Dabei setzt die Westfälin auf eine sinnvolle Kombination aus Dressur, Springen und dem Reiten im Gelände. Ganz besonders wichtig in der Ausbildung von Pferden sind ihr Geduld und Ruhe. “Ich empfinde immer dann Freude, wenn meine Pferde durch die Arbeit schöner werden und gelernt haben, auf feinste Hilfen zu reagieren“, sagt sie.


Und natürlich darf auch die Cavaletti-Arbeit im Training nicht fehlen! Dafür ist Ingrid Klimke übrigens besonders bekannt. Bei der Arbeit mit ihren Pferden steht fast jeden Tag auch ein abwechslungsreiches Cavaletti-Training an. Dabei setzt sie die unscheinbaren Stangen mit den kleinen Kreuzchen an den Enden sehr vielseitig ein. Sei es, um den Raumgriff und den Takt des Pferdes zu schulen oder um das Auge des Reiters für Distanzen beim Springen zu schärfen – für fast jedes Trainingsziel hat die Olympiakader-Reiterin auch eine passende Cavaletti-Übung parat.

Ausgesprochen erfolgreich, dabei aber ebenfalls mit ganz viel Ruhe und Gelassenheit, hat sich Uta Gräf in der internationalen Reitsportszene einen Namen als Trainerin gemacht. Das Geheimnis ihrer Ausbildungserfolge ist zwar verblüffend einfach, aber noch längst kein selbstverständlicher Standard in der Ausbildung von Pferden. Sie sagt: „Mir liegt es am Herzen, dass Reiten Spaß macht. Und zwar nicht nur mir, sondern auch meinen Pferden. Und Spaß macht Reiten eben nur, wenn man die Pferde mit feinsten Hilfen dirigieren kann. Die feinstmögliche Kommunikation mit dem Pferd hat für mich oberste Priorität bei der Ausbildungs- und Trainingsarbeit“. Natürlich soll das Training dazu beitragen, gewisse sportliche Ziele zu erreichen. Aber für Uta Gräf ist es immer das Pferd, dass das Tempo beim Erreichen dieser Ziele vorgibt. „Mach‘ dich frei von Erwartungsdruck“ empfiehlt sie ihren Schülern deshalb immer wieder.

Ein weiterer Grund für die Ausbildungserfolge von Uta Gräf ist die Kombination von anspruchsvoller Dressurreiterei mit einer naturnahen, sehr artgerechten Haltung ihrer Pferde. Auf Gut Rothenkircherhof in Rheinland-Pfalz trainiert sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Stefan Schneider Dressurpferde in allen Leistungsklassen. Im Mittelpunkt steht dabei immer eine echte, von beiderseitigem Vertrauen geprägte Partnerschaft zu ihren Pferden.

Ebenfalls nicht nach „Schema F“ arbeitet Anja Beran sehr erfolgreich. Die Leiterin des bekannten Ausbildungsbetriebs „Gut Rosenhof“ bildet bereits seit mehr als 25 Jahren Pferde nach den Prinzipien der klassischen Reitkunst bis zu den höchsten Lektionen aus. Ihr Credo dabei lautet: „Die Dressur ist für das Pferd da und nicht das Pferd für die Dressur.“ Diese Einstellung hilft ihr auch dabei, Pferde, die zur Korrektur bei ihr sind, aber auch sogenannte „Problempferde“ artgerecht zu trainieren und sie dabei achtsam und fein an den Hilfen stehen zu lassen. Zentrale Aspekte sind für sie vor allem die natürlichen Bewegungen des Pferdes. Mit aufeinander abgestimmten Übungen hilft sie den Tieren, unter dem Reiter vor allem ihre Balance zu finden. Dadurch bleiben die Pferde nicht nur körperlich, sondern auch mental gesund und fit. Wer Anja Beran beim Training beobachtet, stellt schnell fest, wie wichtig ihr die Grundätze der klassischen Reiterei sind. „Mein einziges Bestreben ist es, in meinem Leben dafür zu sorgen, dass die mir so sehr ans Herz gewachsene Kunst der Reiterei mehr und mehr Verbreitung und Verständnis findet. Ich würde mir wünschen, dass sich viele Reiter für die klassische Reitkunst in ihrem ursprünglichen Sinne ernsthaft begeistern könnten“ sagt sie.

Das nächste Mal fragen wir Linda Tellington-Jones und Arien Aguilar nach ihren Trainingsmethoden und wie es gelingt, eine vertrauensvolle, echte Partnerschaft zu seinem Pferd aufzubauen.

 

Übrigens: Wer auch in Corona-Zeiten mit Ingrid Klimke, Uta Gräf und Anja Beran trainieren möchte, hat dazu im Internet am 5. Juli bei einer Live-Schalte der Online-Reitschule wehorse unter www.wehorse.com/de/blog/online-festival Gelegenheit, sich mit diesen und vielen weiteren Profis auszutauschen und dabei auch so manchen „Geheim-Tipp“ mit auf den Weg zu bekommen. Deshalb am besten schnell ein kostenloses Ticket sichern, und am Sonntag, dem 5. Juli ab 10.00 Uhr live dabei sein. Reinklicken lohnt sich gleich doppelt. Denn neben wertvollen Profi-Informationen rund um die Pferdeausbildung gibt es mit etwas Glück sogar einen vom Fachmann angepassten Stübben-Sattel im Wert von 3.000 Euro und hochwertiges Zubehör von renommierten Reitsportausstattern zu gewinnen. Also am besten schnell anmelden.