Pferdeweiden bieten derzeit einen traurigen Anblick. Denn das anhaltend viel zu trockene Wetter setzt dem begehrten Weidegras sehr zu. Und das ist noch nicht alles. Worauf es beim richtigen Weidemanagement ankommt.

Die mancherorts sehr heftigen Regenfälle der vergangenen Tage können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Niederschlag bereits seit langem fast überall Mangelware ist. Und nicht nur die Landwirte blicken hinsichtlich der noch anstehenden Heuernten stirnrunzelnd gen Himmel, auch Pferdehalter lauschen besorgt dem Wetterbericht für die nächsten Tage. Denn die Böden der Weiden unserer Pferde sind, wie in den beiden vergangenen Rekord-Sommern, schon wieder bis tief in den Untergrund staubtrocken.

Das ganz große Problem dabei ist, dass nicht nur das von den Pferden weggefutterte Weidegras nicht nachwächst. Auch können sich auf den kargen Flächen nun Pflanzen ausbreiten, die im Pferdemagen definitiv nichts zu suchen haben, weil sie giftig sind. Und hat man erst einmal den Samen von Jakobskreuzkraut, Huflattich und Co. in der Weide, ist es nahezu unmöglich, diese Pflanzen ohne den Einsatz entsprechender Chemikalien zuverlässig wieder los zu werden.

 

Dranbleiben

Da viele dieser unerwünschten Gewächse im Moment noch nicht blühen, ist ein täglicher Kontrollgang über die Weide und das gründliche Entfernen, sprich das Herausziehen der Pflanze mitsamt der Wurzel, die sicherste Methode, die Fläche sauber zu halten.

Problematischer ist es, wenn Giftpflanzen wie etwa der Hahnenfuß bereits in der Blüte stehen. Denn beim Abpflücken oder Abmähen lässt es sich nicht vermeiden, dass sich die Samen aus den Blüten lösen, und sich dabei dann gleich wieder neu aussähen. Hier hilft nur vorausschauendes Düngen im zeitigen Frühjahr, um den Boden für Giftpflanzen unattraktiv zu machen. Das vielgeschmähte Jakobskreuzkraut ist in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel für die Notwendigkeit eines durchdachten Weidemanagements. Denn diese Pflanze bevorzugt karge, ungedüngte Böden, mit einem durch Düngung entsprechend vorbereiteten Untergrund kommt sie nur schlecht zurecht. Unzureichendes oder unterlassenes Düngen im Frühjahr führt dann dazu, dass sich das ungeliebte Grün im Sommer auf überweideten Wiesen ohne entsprechende „Gegenwehr“ fast ungebremst ausbreiten kann. Übrigens sind in manchen unserer Nachbarländer Vorkommen von Jakobskreuzkraut sogar meldepflichtig.

 

Nicht in die Bio-Tonne

Das derart „geerntete“ Grünzeug von Giftpflanzen anschließend richtig zu entsorgen, ist nicht immer ganz so unproblematisch. Es einfach in die Bio-Abfalltonne zu stopfen („sind ja auch Pflanzenreste“) ist jedenfalls keine gute Idee, und wird von den Betreibern von Kompostierungsanlagen, die diese Biomassereste ja abholen und weiterverwerten wollen, auch überhaupt nicht gerne gesehen. Nämlich aus dem einfachen Grund, weil der Samen vieler sehr vermehrungsfreudiger Giftpflanzen auch leider sehr robust ist. Steckt er erst einmal im Kompost, wird er auch hier schnell zum Problem. Die Restmülltonne ist da schon besser, weil der hier gesammelte Abfall in der Regel in einer Müllverbrennungsanlage landet, was auch die Samen von Giftpflanzen zuverlässig vernichtet.

 

Box oder Weide?

Aufgrund der wettertechnisch angespannten Situation ist die uneingeschränkte Weidehaltung bei Pferdebetrieben mit eher begrenzten Weideflächen derzeit ein vieldiskutiertes „heißes Eisen“. Denn einerseits lässt sich das Überweiden von Flächen bei größeren Pferdebeständen fast gar nicht mehr vermeiden. Schließlich gehören Auslauf und das Knabbern am Gras zu den Grundvoraussetzungen für gesunde Pferde.

Ist aber eine Weidefläche durch übermäßigen Verbiss erst einmal ruiniert, fällt sie für die langfristige Versorgung der Pferde mit Frischgras weg. Außerdem muss sie neu eingesät werden, was für den Betreiber eines Pferdebetriebes mit zusätzlichen Kosten sowie Arbeits- und Zeitaufwand verbunden ist. Daher sind Absprachen und Rücksichtnahmen bei Einschränkung der Weidenutzungszeiten, die Reitern und ihren Pferden genauso entgegenkommen wie dem Hofbetreiber, derzeit ganz besonders wichtig. Denn einen Ersatz für Auslauf und viel Bewegung an der frischen Luft gibt es für Pferde trotz Trockenheit nicht. Mit gegenseitiger Rücksichtname sollte es aber eigentlich gelingen, die Zeit der Regenknappheit einigermaßen gut zu überstehen. So lange bleibt nur, auf den nächsten Regenschauer zu hoffen, und der Wetter-App auf dem Smartphone gut zuzureden.