Wer einen Ausritt oder einen Spaziergang mit seinem Pferd unternimmt, wird meist nicht umhinkommen, dabei auch auf einer Straße unterwegs zu sein. Doch weil viele Autofahrer heutzutage keine Erfahrung mit dem „Verkehrsteilnehmer Pferd“ haben, kommt es immer wieder zu unschönen oder sogar gefährlichen Situationen bei der Begegnung von Auto und Pferd. Mit einem neuen Video wirb die FN für mehr Rücksicht auf Reiter und ihre Pferde im Straßenverkehr.

Waren Pferde noch bis vor wenigen Jahrzehnten das wichtigste Fortbewegungsmittel und ein allgegenwärtiges Bild auf den Straßen, sind sie aus dem Straßenbild der heutigen Zeit nahezu verschwunden. Was dazu führt, dass nur noch die allerwenigsten Autofahrer wissen, wie sie sich mit ihrem PKW einem Reiter und seinem Pferd richtig nähern. Zu schnelles Heranfahren und zu geringer Abstand beim Überholen führen immer wieder dazu, dass sich ein Pferd erschreckt, und es dabei zu gefährlichen Situationen kommt. Und: Pferde haben keine Knautschzone. Bleibt der Autofahrer bei einem Unfall mit einem Pferd meist unverletzt, kann das Zusammentreffen von Auto und Pferd für den Vierbeiner und seinen Reiter unter Umständen ganz schlimme Folgen haben.

 

Falsch eingeschätzt

Das Unwissen über die Natur des Pferdes führt dazu, dass Autofahrer Pferde und ihr Verhalten meist nicht richtig abschätzen können. Wer mit seinem Pferd auf einer Straße unterwegs ist, wird seinen Vierbeiner in aller Regel im Schritt gehen lassen. Das entspricht etwa der Geschwindigkeit eines Fußgängers, also ungefähr fünf bis sieben Kilometer pro Stunde. Das langsame Tempo führt dazu, dass sich Autofahrer einem Pferd oft viel zu schnell nähern, um angemessen abbremsen und ausweichen bzw. überholen zu können.

Erschwerend für pferdeunerfahrene PKW-Lenker kommt hinzu, dass Pferde keine Maschinen, sondern lebendige Tiere mit einem ausgeprägten Fluchtinstinkt sind. Was bei unüberlegten oder gar rücksichtslosen Überholmanövern schnell dazu führen kann, dass sich ein Pferd erschreckt, scheut, und dann sein Heil in der kopflosen Flucht sucht. Einem erschreckten Pferd ist es in einer solchen Situation dann auch ziemlich egal, ob es mit oder ohne Reiter auf seinem Rücken flüchtet.

 

Informationsvideo der FN

Aufgrund der Tatsache, dass immer weniger Autofahrer ein Pferd im Straßenverkehr richtig einschätzen und sich dementsprechend verhalten können, hat die FN unter www.pferd-aktuell.de/autotrifftpferd zwei Informationsfilme mit dem Titel „Auto trifft Pferd“ und „Auto trifft Kutsche“ ins Netz gestellt. Aber nur ins Netzt stellen und abwarten, was passiert, genügt der FN nicht. Thomas Ungruhe, Leiter der FN-Abteilung Vereine, Umwelt, Breitensport, Betriebe, möchte eine große Verbreitung dieses Videos erreichen, um möglichst viele Autofahrer für dieses Thema zu sensibilisieren. „Der Film zeigt typische Verkehrssituationen: Wie fährt man an Pferde heran oder wie überholt man Reiter. Dabei vermitteln wir auch Verständnis für die Natur des Pferdes und mögliche Reaktionen. Und wir werben für Rücksicht gegenüber dem schwächeren Verkehrsteilnehmer Mensch und Pferd“, erklärt Ungruhe den Inhalt des sechsminütigen Erklärvideos. Bei der Verbreitung dieses Videos setzt er auf die aktive Beteiligung der Reiter selber: „Wir haben den Film natürlich KFZ-Fahrschulen zur Verfügung gestellt. Wir brauchen aber auch die Unterstützung aller Pferdesportler, die in ihrem Umfeld aktiv werden, damit der Film eine große Verbreitung findet“, so Ungruhe weiter. „Unser Wunsch ist es, dass Mitglieder und Angehörige von Reitvereinen und Betrieben beispielsweise auf Kfz-Fahrlehrer in ihrer Region zugehen und diese darum bitten, den Film in ihrer Fahrschule zu zeigen.“ Gleiches gilt auch für die Verbreitung des Films in den Medien: „Sprechen Sie die Tageszeitung in Ihrer Region an und bitten Sie sie um Unterstützung“ so der Appell von Ungruhe an alle Pferdefreunde. Zusätzlich gibt es auf den Seiten der FN ein kostenloses Servicepaket, das einen Informationstext sowie Fotos zum Download beinhaltet und einen Link zum Film bereitstellt.

 

Gelassen bleiben

Die wichtigste Botschaft des Films an alle Fahrer von PKW’s, LKW‘s, Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Fahrzeugen lautet: Gelassen bleiben sowie ruhig und besonnen reagieren. Auch wenn es vielleicht ein paar Sekunden Fahrzeit mehr kostet, hinter einem Reiter oder einer Gruppe von Reitern auf eine sichere Gelegenheit zum großzügigen Überholen zu warten.

Gelassenheit ist aber auch für Reiter die beste Versicherung, einen Ausritt entlang einer Straße unversehrt zu überstehen. Ungeduld, Unsicherheit oder gar Angst übertragen sich nämlich sofort aufs Pferd. Und dann kann selbst eine eigentlich harmlose Verkehrssituation schnell sehr gefährlich werden. Wen bei vorbeibrausenden Autos ein mulmiges Gefühl beschleicht, dem hilft es vielleicht, daran zu denken, dass Reiter und Autofahrer eine Gemeinsamkeit teilen: Beide möchten heil zuhause ankommen.