Sie gehört zu jeder Reitstunde dazu wie das Putzen und das Satteln. Die Löse- oder Aufwärmphase braucht aber kein langweiliges Herumgelaufe im Schritt durch die Halle zu sein. So können Sie die Zeit sinnvoll nutzen, bis Ihr Pferd „auf Touren gekommen“ ist.

Haben Sie Ihr Pferd aus der Box geholt und zum Training bereit gemacht, ist die Lösephase eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Training. Denn nach dem langen Stehen in der Box müssen die Gelenke nun vermehrt „Gelenkschmiere“, die sogenannte „Synovia“, aufbauen. Das gilt übrigens auch für Pferde, die für die Reitstunde von der Weide geholt werden. Denn auch sie stehen im Winter auf den abgegrasten Wiesen meist mehr untätig herum, statt sich ausreichend zu bewegen. Gelenkflüssigkeit ist deshalb so wichtig, weil in den Gelenken sonst die Knorpelflächen der Knochenenden aneinander reiben und sich dabei gegenseitig abnutzen würden. Was nicht nur sehr schmerzhaft ist, sondern das Gelenk binnen kürzester Zeit unbrauchbar macht.

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Phantasievoll lösen

Bis ein Gelenk ausreichend mit Synovia versorgt ist und entsprechend belastet werden kann, dauert es etwa 20 Minuten. Doch diese Zeit brauchen Sie nicht untätig im Sattel zu verbringen und nur auf der ganzen Bahn im Schritt vor sich hin zu trotten. Mal ganz abgesehen davon, dass es ja nicht nur für Ihr Pferd stinklangweilig ist, so lange nur gemächlich durch die Halle zu latschen. Verbinden Sie deshalb die Lösephase mit einigen einfachen, gymnastizierenden Lektionen, um auch die Muskulatur ihres Pferdes aufzuwärmen. Das ist schon in der warmen Jahreszeit unbedingt zu empfehlen, aber natürlich erst recht bei kalten Temperaturen im Winter. Gymnastizierende Lektionen haben zudem den Vorteil, das Pferd (und seinen Reiter) auch mental in Schwung zu bringen und auf das bevorstehende Training einzustimmen. Schließlich wollen Sie ja etwas von Ihrer Reitstunde haben. Welche Bahnfiguren Sie in welcher Reihenfolge reiten, da sind der Phantasie (fast) keine Grenzen gesetzt. Je abwechslungsreicher die Wechsel zwischen Geraderichten und Biegen des Pferdes sind, desto besser. Bloß keine Langeweile aufkommen lassen!

 

Planvoll arbeiten

Wie die Reitstunde selber sollte auch die Zeit der Lösephase vorab gut geplant und aufgebaut werden. Gymnastizierende Übungen, die Sie während der Lösephase im Schritt anwenden können, sind solche, die Ihr Pferd leicht stellen und biegen, ohne dabei die Gelenke zu belasten. Enge Wendungen sind während der ersten 20 Minuten daher noch absolut tabu. Aber wie wäre es zum Beispiel mit großzügigen Schlangenlinien durch die ganze Bahn? Oder mehrfaches großzügiges durch-den-Zirkel-wechseln“? Ganz prima ist es auch, wenn von der letzten Springstunde noch die Hindernisse herumstehen. Legen Sie sich dann vor dem Aufsitzen mit den Stangen ein paar einfache Üben auf dem Boden zurecht.

Parallel gelegte Stangen in etwas größerem Abstand können Sie zum Beispiel dazu nutzen, die Schritte Ihres Pferdes zu verlängern. Was so ganz nebenbei auch schon die Muskeln streckt und beweglich macht. Sind die Abstände der Stangen dabei ungleich gelegt, hat auch der Pferdekopf ordentlich damit zu tun, genau hinzuschauen und sich dabei auf die Schrittabfolge zu konzentrieren. Oder legen Sie sich die Stangen in Form eines Fächers in einem Halbkreis, und lassen Sie Ihr Pferd, natürlich auf beiden Händen gleich lange, darüber gehen. Auch bei dieser Übung sind Körper und Geist des Pferdes gleichermaßen gefordert, denn hierbei müssen seine äußeren Beine weiter vorgreifen als die inneren. Wichtig bei allen Übungen ist, dass sie ruhig und konzentriert durchgeführt werden. Sich „irgendwie“ durchzuschummeln bringt nicht viel. Nicht für das Pferd, und auch nicht für den Reiter.

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Auswärts aufwärmen

Das ist Ihnen alles zu umständlich? Oder es sind noch Reiter aus der Reitstunde vor Ihnen in der Halle? Auch dann gibt es eine gute Möglichkeit, Ihr Pferd gut gelöst und mit Schwung auf die bevorstehende Trainingseinheit vorzubereiten: Gönnen Sie Ihrem vierbeinigen Sportpartner einfach einen kurzen Ausritt im Schritt, und suchen Sie sich unterwegs ein paar einfache Herausforderungen, die Ihr Pferd gymnastizieren und gleichzeitig an Denken bekommen. Das können umherliegende Äste sein, Baumstämme, um die Sie Ihr Pferd in einem (allerdings großzügigen) Slalom herumreiten und dergleichen mehr.

Kommen Sie derart aus dem Gelände zurück, ist Ihr Pferd bereits bestens auf die anstehende Reitstunde vorbereitet. Also, auf geht’s!