Wer sich mit dem Gedanken trägt, sein Pferd dauerhaft mit einer weiteren Person zu teilen, sollte sich vorab umfassend informieren. Denn kommt es einmal zu Problemen, gibt es eine ganze Reihe nicht nur juristischer „Fallstricke“. Wie können sich Pferdehalter und ihre Reitbeteiligung vor unliebsamen Überraschungen schützen?

Bei aller Begeisterung für Pferde und den Reitsport ist die Pferdehaltung zugegebenermaßen auch ein sehr zeit- und kostenintensives Hobby. Wird es aus beruflichen oder anderen schwerwiegenden Gründen irgendwann einmal schwierig, sich ausreichend um sein Pferd zu kümmern, kann eine Reitbeteiligung eine wertvolle Hilfe sein, das Tier trotzdem regelmäßig zu reiten, zu pflegen und natürlich auch zu verwöhnen.

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Die „Chemie“ muss stimmen

Damit das Pferd und seine beiden Reiter dauerhaft gut miteinander auskommen, muss natürlich das gegenseitige Miteinander funktionieren. Es nützt ja niemandem etwas, wenn die Reitbeteiligung zwar prima mit dem vierbeinigen Freizeitpartner zurechtkommt, aber mit Bauchschmerzen zum Stall fährt, sobald sich der Pferdebesitzer ebenfalls dort aufhält. Zeigt sich andersherum nach einer Weile, dass die Reitbeteiligung entgegen aller Absprachen nachlässig mit dem Pferd oder seiner Ausrüstung umgeht, ist natürlich ebenfalls Ärger vorprogrammiert. Verlassen Sie sich bei der Entscheidung für eine Bewerberin oder einen Bewerber daher nicht nur auf ein „objektives“ Urteil, wie gut sie oder er mit Ihrem Pferd zurechtkommt, oder welchen reiterlichen Ausbildungsstand sie oder er mitbringt. Hören Sie auch ruhig auf Ihr „Bauchgefühl“, um zu entscheiden, wer zu Ihnen und Ihrem Pferd passt. Und letztendlich gilt auch hier, dass man einem Menschen immer nur bis vor die Stirn schauen kann. Ob sie oder er sich wirklich so zuverlässig und gewissenhaft um Ihr Pferd kümmert, wie Sie es sich vorstellen, kann sich erst mit der Zeit zeigen.

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Umfassend absprechen

Gerade für Kinder und Jugendliche ist eine Reitbeteiligung eine tolle Sache, Erfahrungen im Umgang mit Pferden zu sammeln. Allerdings machen sich Einsteiger oft keine genauen Vorstellungen davon, wie viel Arbeit ein Pferd machen kann, selbst wenn es in einem Pensionsstall untergebracht und damit grundsätzlich regelmäßig versorgt ist. Kommen beispielsweise bei Offenstallpferden in Privathaltung außer Putzen, Hufe saubermachen und Satteln noch Arbeiten wie regelmäßiges Abäppeln des Auslaufs und Misten des Stallgebäudes hinzu, die jeden Tag bei Wind und Wetter aufs Neue anfallen und viel Zeit kosten, kann die anfängliche Begeisterung Ihrer Reitbeteiligung für Ihr Pferd unter Umständen empfindlich abkühlen. Klären Sie daher am besten schriftlich alle Details Ihrer Pferdehaltung: Wer kümmert sich wann um Ihren Vierbeiner? Was genau ist alles zu erledigen? Wann und wie viel darf geritten werden? Darf Ihre Reitbeteiligung mit Ihrem Pferd auf Turniere gehen, und wenn ja, wie oft? Wie werden regelmäßig anfallende zusätzliche Kosten, etwa für Schmied, Entwurmungen und Impfungen aufgeteilt?

Ist Ihre Reitbeteiligung noch minderjährig, sollten Sie diese Absprachen auf jeden Fall im Beisein der Eltern treffen. Erkundigen Sie sich vorab nicht nur nach dem reiterlichen Ausbildungsstand Ihrer zukünftigen Reitbeteiligung, sondern fragen Sie auch nach den Vorstellungen und Wünschen des Kindes oder Jugendlichen, was er oder sie von einer Beteiligung an Ihrem Pferd erwartet. Ganz wichtig ist dabei natürlich, dass auch die Eltern voll hinter der Entscheidung ihres Kindes stehen, Verantwortung für ein Pferd zu übernehmen. Auf den Internetseiten der FN gibt es übrigens für kleines Geld die Möglichkeit, Vordrucke für Reitbeteiligungsverträge zu erwerben, die alle Aspekte einer solchen „Partnerschaft“ für Ihr Pferd beinhalten.

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Richtig absichern

Neben der genauen Aufgabenverteilung muss natürlich auch das leidige Thema der Kostenaufteilung zur Sprache kommen. Eine Faustregel dafür, wer sich mit welchem Betrag beteiligt, gibt es nicht. Es kommt viel mehr auf die jeweiligen Umstände der Pferdehaltung an. Möchten Sie beispielsweise mehr Zeit für sich selber haben, ohne dass Ihr Pferd darunter leidet, kann Ihre Reitbeteiligung mehr Zeit mit dem Vierbeiner verbringen und muss dafür unter Umständen auch weniger zahlen, als wenn es vor allem darum geht, die Kosten der Pferdehaltung für sich selber ein wenig zu reduzieren.

Eine weitere leidige, allerdings extrem wichtige Frage ist, wer welche Kosten trägt, wenn es beim Umgang mit dem Pferd einmal zu einem Schadensfall kommt. In der Rechtsprechung gilt nämlich, dass grundsätzlich der Tierhalter für alle durch sein Tier verursachte Schäden haftet. Ganz gleich, ob er oder sie selber daran beteiligt war oder nicht. Was vor allem bei Personenschäden mitunter für den Pferdehalter existenzbedrohend werden kann. Eine entsprechende Pferdehalter-Haftpflichtversicherung sollte daher für jeden Pferdehalter schon aus eigenem Interesse obligatorisch sein. Die meisten Versicherungspolicen beinhalten auch einen Passus, nach dem der Versicherungsschutz auch für die Reitbeteiligung gilt. Klären Sie also vorab, ob Ihre Versicherung die Haftung für Ihre Reitbeteiligung einschließt. Und wenn wir schon bei diesem unangenehmen Thema sind: Ihrer Reitbeteiligung ist unbedingt anzuraten, zudem selber eine private Unfallversicherung abzuschließen, die alle Risiken rund ums Pferd abdeckt. Denn die gesetzliche Unfallversicherung haftet nur bei Unfällen auf der Arbeit, auf dem Weg dorthin und auf dem Heimweg.

Richtig abgesichert, ist das Konstrukt einer Reitbeteiligung für alle Beteiligten eine echte Win-win-Situation: Gerade für reitbegeisterte Kinder und Jugendliche ohne eigenes Pferd ist es eine tolle Möglichkeit, sich ihre reiterlichen Wünsche und Träume wenigstens ein Stück weit zu erfüllen und gleichzeitig wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Pferden zu sammeln. Für Pferdehalter ist eine zuverlässige Reitbeteiligung im Pferdealltag auf jeden Fall eine Erleichterung, arbeitstechnisch wie finanziell. Und Ihr Pferd kann sich sicher sein, dass es zuverlässig, regelmäßig und immer liebevoll betreut wird. Schließlich können vier Hände mehr Streicheleinheiten (und Leckerlis) geben als zwei.