Pferdelungen sind groß. Sehr groß sogar. Deshalb ist ein gesundes Stallklima ein ganz wichtiger Teil der Gesundheitsvorsorge. Aber reicht es, einfach nur lang genug die Stallfenster aufzureißen?

Ein Warmblut veratmet pro Tag mindestens 10.000 Liter Luft. Da nimmt es nicht Wunder, dass der Luftqualität und -reinheit im Stall eine ungeheuer große Bedeutung zukommt. Staub und Ausdünstungen aus der Einstreu können schnell zu einem Gesundheitsproblem werden, zumal, wenn im Stalltrakt des Hofes viele Pferde auf engem Raum gehalten werden.

 

Viel Frischluft bitte

Die beste und auch einfachste Methode, bei Ihrem Pferd für ein ausgeglichenes Wohlfühl-Klima zu sorgen, ist natürlich ausgedehnter, täglicher Weidegang. Je länger, desto besser. Aber auch im Stallgebäude lässt ich eine Menge machen, um für ein gesundes Stallklima zu sorgen. Sind alle Pferde auf der Weide oder der Koppel, hilft großzügiges Lüften, unangenehmen und ungesunden Stallmief loszuwerden. Dabei brauchen Sie keine Bedenken zu haben, dass übermäßiges Lüften das Gebäude auskühlt – die Wohlfühltemperatur eines gesunden Pferdes liegt etwa zwischen sieben und 15 Grad Celsius. Und die werden ja aufgrund des derzeit eher kühlen Wetters von der Natur sehr gut eingehalten.

Allerdings ist es bei einem derartigen Stoßlüften ganz wichtig, dass kein Pferd im Luftzug steht. Denn das kühlt den Pferdekörper ganz schnell aus, weil sich das Tier in der Box ja nicht ausreichend bewegen kann, um sich warmzuhalten. Deshalb geht konsequentes Stoßlüften nur dann, wenn sich für die Zeit der offenen Fenster und Stalltüren alle Pferde draußen aufhalten. Und auch hier gilt: je länger, desto besser. Ein für uns vielleicht angenehm nach „Pferd“ riechender Stall ist für unsere vierbeinigen Sport- und Freizeitpartner jedenfalls alles andere als angenehm. Und auch nicht gesund.

 

Gut gestreut ist halb gewonnen

Welche Einstreu die richtige für ein Pferd ist, darüber gibt es mindestens ebenso viele Meinungen wie Pferdehalter. Und das nicht ohne Grund. Denn werden sie nicht im Offenstall gehalten, verbringen Pferde ja den größten Teil ihrer (Lebens-) Zeit auf ihrer Streu. Deshalb ist eine hochwertige, dem Pferd angepasste Einstreu ein zentraler Teil des täglichen Gesundheitsmanagements. Die wichtigsten Anforderungen an ein Streumaterial sind natürlich, dass es staubfrei und auch möglichst frei von Verunreinigungen und Schimmelpilzen ist. Was sich bei einer Stroh-Einstreu selbst bei der sorgfältigsten Lagerung leider nicht immer vermeiden lässt. Vor allem, wenn es sich dabei um Stroh aus dem Vorjahr handelt, auf dem sich quasi naturgemäß das Jahr hindurch Staub abgelagert hat.

Eine gute Alternative können industriell bearbeitete Strohpellets sein. Aufgrund ihrer Bearbeitung sind sie praktisch staub- und schimmelfrei. Außerdem fällt bei ihrer Verwendung ein weitaus geringeres Mistvolumen an, was vor allem den Hofbetreiber freuen wird, wenn sein Misthaufen nicht von Woche zu Woche unablässig in die Höhe wächst. Eine weitere eigentlich sehr attraktive Eigenschaft von Strohpellets ist, dass sie sehr saugfähig sind und die Streu dadurch länger trocken und in der Box verbleiben kann. Genau diese Eigenschaft kann aber Pferden mit einem beständig großen Appetit zum Verhängnis werden. Nämlich dann, wenn sie sich in den langen Nachtstunden den Bauch, sprich den Darm, mit zu viel des kleingeraspelten Strohs vollfuttern. Da die Streu ja nicht unterscheidet, welche Flüssigkeit sie aufnimmt, kann es dann passieren, dass das Substrat dem Pferdedarm zu viel Waser entzieht und es dadurch zu schmerzhaften Verstopfungen kommen kann.

Unter diesem Aspekt sind Hobelspäne dagegen natürlich völlig ungefährlich, weil wahrscheinlich kein Pferd je auf die Idee käme, übermäßige Mengen an Holzspänen zu fressen. Dieser Umstand hat dagegen andere Tücken. Denn gerade, weil seine Streu unverdaulich ist, ist ein Pferd, das auf Hobelspänen steht, darauf angewiesen, sehr regelmäßig und stets ausreichend gefüttert und mit viel gutem Heu versorgt zu werden. Wird der zeitliche Abstand vor allem von der Abend- zur Morgenfütterung zu lang, oder bekommt das Pferd für die langen Nachtstunden zu wenig Heu, reichert sich Gallenflüssigkeit im Blut an. Dieses von Tierärzten als „Ikterus“ bezeichnete Problem zeigt sich dem Laien an einer leichten Gelbfärbung des Augapfels. Normalerweise verschwindet diese mit einer Heufütterung in ausreichender Menge wieder nach ein paar Tagen, sofern keine anderen Ursachen als Auslöser dafür in Frage kommen.

Für ein prima Klima im Stall zu sorgen, ist also überhaupt keine Hexerei. Aber umso wichtiger für das Wohlbefinden unserer Pferde.