Fast jedes Jungpferd durchläuft eine Phase, in der selbst das bravste Tier zu einem nervenaufreibenden Teufelchen mutiert. Was ist da los?

Es ist zum Verzweifeln. Sunny, die knapp vierjährige Stute einer Bekannten von mir, war bisher immer ein ganz cooles Verlasspferd. Die Gewöhnung an den Sattel und die Trense, erste Schritte unter dem Reiter – alles kein Problem. Aber seit einigen Wochen geht irgendwie rein gar nichts mehr. Beim Trensen kneift sie die Zähne zusammen, Satteln findet sie plötzlich doof, und auch sonst verhält sie sich ihrer Besitzerin gegenüber ziemlich ekelig. Dabei hat sich in ihrem Pferdealltag und in ihrer Haltung nichts geändert, alles ist wie immer.

Oder Renaldo, ein viereinhalb Jahr alter Wallach eines guten Freundes von mir. Renaldo war immer sehr aufmerksam, gelehrig und neugierig. Aber seit ein paar Wochen trödelt er auf dem Weg zur Weide nur noch lustlos herum, hat seinen Besitzer beim Spazierengehen schon zweimal durch die Gegend gezerrt, und versucht stets hartnäckig, bei jeder Gelegenheit seinen Dickkopf durchzusetzen. Auch in Renaldos Haltung hat sich jedoch nichts geändert, auch er hat einen „geregelten Alltag“. Was also ist los mit Sunny, Renaldo und so vielen anderen Jungpferden, die ihre Besitzer oft ordentlich Nerven kosten?

Entgegen der Wahrnehmung der meisten Besitzer junger Pferde ist der psychische Entwicklungsprozess eines Pferdes mit der Gewöhnung an Sattel und Trense im Alter von etwa zwei bis drei Jahren und dem Erlernen erster Zügel-, Schenkel- und Gewichtshilfen bei weitem noch nicht abgeschlossen. Vielmehr beginnt mit Ende des dritten, Anfang des vierten Lebensjahres eine Phase, die in etwa mit der Pubertät Jugendlicher zu vergleichen ist.

Pferde im Teenager-Modus

Entgegen der Wahrnehmung der meisten Besitzer junger Pferde ist der psychische Entwicklungsprozess eines Pferdes mit der Gewöhnung an Sattel und Trense im Alter von etwa zwei bis drei Jahren und dem Erlernen erster Zügel-, Schenkel- und Gewichtshilfen bei weitem noch nicht abgeschlossen. Vielmehr beginnt mit Ende des dritten, Anfang des vierten Lebensjahres eine Phase, die in etwa mit der Pubertät Jugendlicher zu vergleichen ist.

Hat sich ein Jungpferd nach dem Verkauf vom Züchter und dem Umzug in sein neues Zuhause gründlich eingelebt, und fühlt es sich sicher, wird es um seinen vierten Geburtstag herum irgendwann versuchen, die Rangfolge zwischen sich und „seinem“ Mensch neu zu klären. Das ist zwar ein ganz normaler, entwicklungsphysiologischer Lebensabschnitt, der aber trotzdem das Verhältnis des Reiters zu seinem Pferd auf eine harte Probe stellen kann. Aus Sicht des Jungpferdes ist es dabei ein wenig wie beim Jugendlichen: Pubertät ist, wenn die Eltern anfangen, komisch zu werden.

Besonders problematisch wird das, wenn sich Menschen mit wenig Pferdeerfahrung ein Jungpferd anschaffen, um es nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu erziehen. Aufgrund mangelnder Sachkompetenz hinsichtlich der Entwicklungsbiologie der Pferde und ausreichend Erfahrung im Umgang mit Jungpferden schleichen sich dann schon bald erste Fehler und Missverständnisse im Umgang mit dem „Jungspund“ ein. Gegenreaktionen bei der Erziehung werden entweder übermäßig hart bestraft oder –genauso verwerflich- allzu nachsichtig hinweggelächelt („Der darf das, der ist doch noch jung…“).

Entgegen der Wahrnehmung der meisten Besitzer junger Pferde ist der psychische Entwicklungsprozess eines Pferdes mit der Gewöhnung an Sattel und Trense im Alter von etwa zwei bis drei Jahren und dem Erlernen erster Zügel-, Schenkel- und Gewichtshilfen bei weitem noch nicht abgeschlossen. Vielmehr beginnt mit Ende des dritten, Anfang des vierten Lebensjahres eine Phase, die in etwa mit der Pubertät Jugendlicher zu vergleichen ist.

Kulante Konsequenz

Was sich ein aufmüpfiger Pferdeteenie herausnehmen darf, und wo seine Grenzen sind, dafür gibt es leider kein „Schema F“. Neben dem guten Ratschlag, vor allem die Nerven zu behalten, ist es für den Besitzer in dieser Phase ganz besonders wichtig, den Weg der Ausbildung seines vierbeinigen Sport- und Freizeitpartners zwar nachsichtig, aber konsequent weiter zu verfolgen und dabei stets das Ausbildungsziel vor Augen zu haben. Auch in schwierigen Situationen - eine Vorgehensweise, die der Pferdetrainer Michael Geitner passenderweise mit dem Begriff der „kulanten Konsequenz“ bezeichnet.

Bauen Sie das Training langsam und für das Pferd nachvollziehbar auf. Gehen Sie in jeder Trainingseinheit planvoll und in kleinen Schritten vor. Macht Ihr Pferd im Training etwas Neues sehr gut, ist das Maximalziel für den Tag erreicht. Schalten Sie dann einen Gang zurück, und schließen Sie die betreffende Einheit mit einer Übung ab, die Ihr Pferd bereits sicher beherrscht. Das gibt Ihrem Pferd Selbstvertrauen, und festigt auch sein Vertrauen zu Ihnen. Ganz wichtig für seine positive Entwicklung zu einem gelassenen, zuverlässigen Sport- und Freizeitpartner ist, dass Sie jede Lektion mit dem positiven Gefühl für Ihr Pferd enden lassen, etwas gut und richtig gemacht zu haben. Bringen Sie viel Abwechslung in den Alltag und das Training Ihres „Pubertiers“, damit er oder sie erst gar nicht auf dumme Gedanken kommt.

Das wichtigste „Werkzeug“ in dieser Phase ist und bleibt viel Geduld. Denn wirklich erwachsen und mental gereift sind Pferde erst mit dem siebten Lebensjahr. Nicht umsonst haben sich schon Generationen alter Stallmeister in der Ausbildung ihrer Pferde an den altbewährten Satz gehalten: „Immer langsam mit den jungen Pferden!“