Freizeit ist etwas Herrliches. Auch für Pferde. Aber ist langes „Abhängen“ auf der Weide oder in der Box wirklich sowas Tolles für unsere Vierbeiner?

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Pferde sind von Natur aus absolute „Lauftiere“. Und alles, aber auch wirklich alles in ihrem Körper und in ihrer Wahrnehmung ist auf Bewegung und das Laufen ausgerichtet. Ein Pferd, das sich nicht ausreichend bewegt, wird auf Dauer irgendwann krank. Sein Stoffwechsel funktioniert dann nicht mehr richtig, und seine Muskeln bilden sich zurück – das Tier wird nach und nach unreitbar.

Die Erkenntnis, dass Pferde auf Bewegung und Arbeit angewiesen sind, um gesund zu bleiben, ist nicht neu. Schon der fürstliche Stallmeister Berthold Schoenbeck schrieb in seinem Buch mit dem etwas sperrigen Titel „Hippologisches Alphabet – Handbuch für berittene Offiziere wie auch Pferdebesitzer jeden Ranges und Standes zur Orientierung im Umgang mit Pferden nebst Anleitung über deren Pflege“: „Die meisten berittenen Herren haben arbeitsfähige und arbeitslustige Pferde. Sind sie das, so müssen sie aber auch Arbeit haben. Ganz besonders sei der Luxus-Reitpferdebesitzer auf diesen so wichtigen Punkt (vergleichen wir ihn mit dem Wahrwort ‚Rasten macht Rosten‘) aufmerksam gemacht! Und das vor allem, wenn sein Pferd von edler Rasse ist. Will er vom Reiten Vergnügen haben, ohne sich zu balgen mit seinem Pferde oder sich in die Gesundheit störender Weise zu alternieren, so sorge er unter allen Umständen dafür, daß Sein Reitpferd Arbeit, bzw. Bewegung bekommt“.

Auch der bekannte Graf und Stallmeister Carl G. von Wrangel schrieb schon 1895 in seinem Werk „Das Buch vom Pferde“: „Die beste Art, Reitpferde zu bewegen ist natürlich, sie zu reiten. Da jedoch lokale und zufällige Verhältnisse nicht selten eine solche Anordnung erschweren, oder geradezu unmöglich machen, sollte bei keinem größeren Etablissement eine offene Bahn fehlen, auf welcher sich die Pferde zu jeder Zeit die nötige Bewegung im Freien verschaffen können“.

 

Leben in Bewegung

Über die Frage, wie lange ein Pferd optimalerweise gearbeitet oder bewegt werden sollte, und wie lange der Weidegang dauern sollte, wird unter Reitern und anderen Pferdeleuten leidenschaftlich diskutiert. Schaut man sich allerdings den von der Natur vorgegebenen Tagesrhythmus von Pferden an, erübrigt sich eigentlich jede Diskussion über eine zeitliche Begrenzung der Bewegung. Denn Pferde verbringen etwa 16 Stunden am Tag damit, sich bei moderater Bewegung das Gras der Steppe als ihrem natürlichen Lebensraum schmecken zu lassen. Weitere vier Stunden werden zum Spielen mit Artgenossen und zum Dösen in der Sonne genutzt, und nur vier Stunden verbringen sie pro Nacht mit bewegungslosem Schlaf. Die Zeiten für Weidegang und die Arbeit unter dem Sattel auf zwei, vier, acht oder egal wie viele Stunden zu begrenzen, wird nie dem natürlichen Bewegungsbedarf eines gesunden Pferdes genügen.

Und selbst im Krankheitsfall rücken Tierärzte je nach Art der Erkrankung zunehmend davon ab, strikte Boxenruhe zu verordnen. Denn es hat sich gezeigt, dass moderate Bewegung in dem Maß, wie es der vierbeinige Patient anbietet, ein wichtiger Faktor bei der Ausheilung des betreffenden Leidens ist. So empfiehlt sich beispielsweise bei einem Pferd mit einem Atemwegsinfekt, wie er im Herbst und im Winter immer mal vorkommen kann, den vierbeinigen Patienten, solange er kein Fieber hat, im ruhigen Schritt an der frischen Luft zu bewegen. Und zwar so lange, bis Sie merken, dass es Ihrem Pferd allmählich reicht. Denn durch leichte Bewegung kommt der Sekretabfluss in Schwung, das Pferd kann dadurch überflüssiges Sekret in den Atemwegen besser abhusten, was wiederum den Heilungsprozess unterstützt und etwas beschleunigt. Das alles ist beim still - in – der - Box - herumstehen weitaus weniger gut möglich. Was das Maß der Bewegung betrifft, gilt für Pferde also: „genug ist nie genug“.

 

Arbeit fürs Gehirn

Pferde sind nicht nur auf körperliche Arbeit, sondern auch auf das Training ihrer „kleinen grauen Zellen“ angewiesen, um gesund zu bleiben. Neben der Zeit im Sattel empfiehlt es sich daher, sich auch auf andere Art und Weise mit seinem Pferd zu beschäftigen, um es mental fit zu halten. Ein großer Ball oder ein klappernder Sack mit leeren Blechdosen sind ein tolles „Spielzeug“, um die Langeweile aus dem Pferdealltag zu vertreiben. Allerdings sollten Sie den betreffenden Gegenstand nie unbeaufsichtigt auf der Weide herumliegenlassen nach dem Motto „nun beschäftigt euch mal schön selbst damit“. Selbst bei scheinbar „harmlosen“ Gegenständen kann nämlich immer irgendeine Dummheit passieren, und das Pferd verletzt sich im Zuge seiner Beschäftigung mit diesem wohlgemeinten „Spielzeug“. Nicht ohne Grund lassen ja auch Eltern kleiner Kinder ihre Sprösslinge beim Spielen mit Spielsachen nie ohne Aufsicht.