Der Reithelm gehört bei den meisten Reitern sicher nicht zum beliebtesten Ausrüstungsgegenstand. Er ist aber der weitaus wichtigste. Allerdings nur, wenn er wirklich passt. Worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Einen Reithelm sollte man nicht im Internet kaufen, sondern in einem Reitsportgeschäft und mit sachkundiger Beratung. Denn ein schlechtsitzender Reithelm kann im Falle eine Falles nicht nur keinen Schutz bieten, sondern selber zu üblen Verletzungen führen. Moderne Reithelme haben übrigens fast nichts mehr zu tun mit den wenig modischen Reitkappen, die viele von uns vielleicht noch von ihren ersten Unterrichtsstunden auf dem Pferderücken im Abteilungsreiten kennen. Mit lediglich einem dünnen Kinnriemen, der zudem gerne statt unter dem Kinn als „Hutband“ über dem starren Schirm getragen wurde. Moderne Reithelme sind leicht, bequem, und lassen sich auch über längere Zeit bequem tragen.

 

Sicherer Sitz

Bei der Frage, ob ein Reithelm im Ernstfall seine Schutzfunktion erfüllt, spielt seine Optik keine wirkliche Rolle. Modische Applikationen mögen diesen Kopfschutz vielleicht eindrucksvoll erscheinen lassen. Doch was zählt, sind seine „inneren Werte“. So sollte man bei der Anprobe das Gefühl haben, das der Helm den Kopf komplett umschließt. Denn nicht nur der Kopfumfang, auch die Form des Kopfes ist immer eine sehr individuelle Sache. Da kann es dann schon mal sein, dass das coole Wunschmodell zwar schick aussieht, aber nicht wirklich passt, ein etwas schlichteres Modell dagegen wie „angegossen“ sitzt. Dann sollten Sie bei Ihren Ansprüchen an die Helmoptik lieber einen Gang zurückschalten, und der Sicherheit den Vorzug geben.

Ein optimal passender Reithelm sitzt mittig auf dem Kopf, und sollte nicht in den Nacken oder in die Stirn rutschen. Eine Faustregel besagt, dass im Profil die Linie vom Schirm zu den Ohren waagerecht verlaufen sollte. Dabei liegt der Helm etwa ein bis zwei Fingerbreit über den Augenbrauen und knapp über den Ohren.

Um herauszufinden, ob die Helmschale und die Polsterung wirklich gut und sicher passen, hilft es auch, den Kopf bei geöffneter Verschnallung hin und her zu bewegen, nach vorne zu beugen und die Bewegung des Kopfes im Trab zu imitieren. Bleibt der Helm bei diesen Bewegungen da, wo er hingehört, passt er. Der Kinnriemen hat im „Normalbetrieb“ keine zusätzliche Haltefunktion. Er dient lediglich dazu, bei einem Sturz zu verhindern, dass sich der Helm vom Kopf löst. Der Kinnriemen sollte nicht zu weit, aber auch nicht zu eng verschnallt werden, der Reiter muss seinen Kiefer normal bewegen können. Um das zu gewährleisten, sollte der Riemen so weit geschnallt sein, dass noch zwei Finger zwischen Kinn und Kinnriemen passen.

 

Keine falsche Sparsamkeit

Auch wenn ein guter Reithelm keine ganz billige Angelegenheit ist – hat er bei einem Sturz einmal seinen Dienst getan, raten Experten immer wieder, diesen Helm durch einen neuen zu ersetzen. Denn ein abgefederter Schlag gegen den Kopf macht das Material der Helmschale nicht stabiler. Manche Sicherheitsexperten raten sogar zu einer Neuanschaffung, wenn der Helm lediglich versehentlich zu Boden gefallen und hart aufgeschlagen ist. Denn rein technisch gesehen besteht die Schutzfunktion darin, dass die Kraft eines Schlages gegen den Kopf dadurch aufgefangen und abgeschwächt wird, indem die Helmschale, die Schutzpolsterung oder beides teilweise zerstört wird. Allerdings sind solche Schäden oft nicht sichtbar. Das Weitertragen eines solcherart vorgeschädigten Helms bietet dann nur noch eine sehr trügerische oder sogar gar keine Sicherheit mehr.

Auch das Alter eines Reithelms spielt hinsichtlich seiner Zuverlässigkeit eine wichtige Rolle. Denn die verwendeten Materialien unterliegen einem Alterungsprozess, der selbst wenig genutzte Helme irgendwann unbrauchbar werden lässt. Experten gehen davon aus, dass die Schutzfunktion eines unbenutzten(!) Helms nach spätestens acht Jahren unzureichend geworden ist. Wer seinen Kopfschutz regelmäßig benutzt, sollte sich sogar schon nach fünf Jahren nach einem neuen Modell umsehen. Egal ob nach einem Sturz oder unbeschädigt. Die FN weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Anschaffung eines gebrauchten Helms nicht unproblematisch ist, weil er möglicherweise keine wirkliche Sicherheit gemäß der Norm EN 1384 mehr bietet.

Neben der mechanischen Beanspruchung durch einen Schlag und dem Alter setzt auch Hitze einem Reithelm arg zu und beeinträchtigt seine Schutzfunktion. Heißer als höchstens 60° Celsius darf es nicht werden. Und die sind im Sommer nicht nur in der prallen Sonne, sondern schon bei normaler Sonneneinstrahlung beispielsweise auf der Hutablage im Auto ganz schnell erreicht. Optimalerweise sollte ein Reithelm trocken, kühl und geschützt vor Tageslicht gelagert werden. Und unterwegs natürlich sturzgesichert untergebracht sein.

Es gibt also viele gute Gründe, sich rechtzeitig von seinem „alten Schätzchen“ zu trennen und Ausschau nach einem neuen Ersatz zu suchen. Denn einem schlagenden Huf, einer robusten Hallenbande oder einem scheuenden Pferd ist es egal, wie neu oder alt Ihr Reithelm ist.