Beginnt für die meisten Pferde die Weidesaison, ist das erste frische Grün für ihre Verdauung nicht ganz unproblematisch. Worauf Pferdehalter jetzt achten müssen.

Lässt der Regen der vergangenen Tage endlich das erste Grün sprießen, ist das für unsere Pferde nur allzu verlockend. Klar, denn den ganzen Winter lang trockenes Heu gemampft zu haben, ist selbst dem anspruchslosesten Pferd irgendwann zu fade geworden. Eine frisch grünende Weide -wo sie denn nach dem viel zu trockenen April schon vorhanden ist- wirkt dann auf unsere Vierbeiner etwa so, wie auf uns eine frisch gezapfte „Maß“ auf dem Oktoberfest an einem heißen Spätsommertag.

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Maßvoll anweiden

Mit dem Gras ist es wie mit dem Bier auf dem Oktoberfest: Maßlos in sich hineingeschaufelt oder hineingeschüttet, ist das für Pferd wie Mensch alles andere als gesund. Denn das erste Grün enthält sehr viel Wasser und Fruchtzucker. Und diese Zusammensetzung kann bei übermäßiger Aufnahme zu schweren Gesundheitsproblemen wie Koliken oder Hufrehe führen. Das oberste Gebot beim Anweiden lautet deshalb: Maß halten und die Pferde langsam an das Frischgras gewöhnen lassen.

Einen allgemeingültigen „Fahrplan“ für das Anweiden nach „Schema F“ gibt es leider nicht. Kann es auch gar nicht geben. Denn die Bedingungen beim ersten Besuch einer frischen Pferdeweide sind überall unterschiedlich. In manchen Gegenden, wo es schon genügend geregnet hat, sprießt das Gras bereits sehr üppig, während Pferde andernorts aufgrund der wochenlangen April-Trockenheit nur Weiden mit mäßig gewachsenem Gras vorfinden. Und nicht nur das Wetter und der Pflegezustand der Wiesen, auch die Fähigkeit des Organismus‘ zur Umstellung von Heu auf Grünfutter ist bei jedem Pferd anders. Manche Vierbeiner haben damit keine Probleme, andere sehen nur einen grünen, frischen Grashalm, und bekommen davon sofort Verdauungsprobleme. Auch gibt es natürlich rassebedingte Unterschiede: Da der Stoffwechsel von Robustrassen wie Isis, Norweger oder Shettys darauf ausgelegt ist, aus dem kargen Futterangebot in ihrer natürlichen Heimat selbst noch den allerletzten Nährstoff herauszuziehen, kann ihnen das Überangebot von sattem frischem Grün hiesiger Weiden schnell gefährlich werden. Warmblutpferden mit einer höheren Nährstofftoleranz macht der hohe Fruktosegehalt im Gras dagegen meist weniger Probleme. Doch Vorsicht beim Anweiden ist auch bei ihnen die „Mutter der Porzellankiste“. Als Faustregel gilt allerdings: je geringer das Stockmaß, desto größer die Vorsicht beim Anweiden. Als ganz grobes Zeitraster für die Gewöhnung von Pferden an das Frischfutter unter ihren Hufen empfiehlt sich etwa folgendes Vorgehen: Der allererste Besuch auf der Weide sollte nicht länger als 10 Minuten betragen. Zeigen sich danach keine Symptome von Verdauungsproblemen, können Sie die Weidezeiten dann täglich um fünf bis 10 Minuten ausweiten.

Angepasst zufüttern

Kommen Pferde ab jetzt regelmäßig auf die Weide, muss auch die tägliche Kraftfutterration angepasst werden. Bei leichtfuttrigen Pferden, die bei Frischgrasfütterung ganz schnell ein paar Pfunde zu viel auf die Rippen bekommen, kann das auch bedeuten, das Kraftfutter zumindest übergangsweise komplett abzusetzen, und für die Nachtstunden im Stall lediglich Heu zu füttern. Da gerade in frischem Gras sehr viel Fruchtzucker enthalten ist, empfiehlt es sich bei Ponys und Kleinpferden, wenn auf das tägliche Müsli trotz Gras nicht verzichtet werden soll oder kann, ein möglichst zucker- und stärkefreies Futter in den Trog zu geben. Wer sich nicht sicher ist, wie sein Pferd mit der Eröffnung der Weidesaison zurechtkommt, sollte sich am besten vorab mit seinem Tierarzt absprechen, wie und in welcher Weise das Zusatzfutter an den täglichen Weidegang angepasst werden kann – sowohl in der Menge, als auch in der Zusammensetzung.

Behutsames Anweiden ist immer die wichtigste Voraussetzung, dass unsere Pferde den Sommer im Freien gesund genießen können. Also: Auf nach draußen. Denn – „O‘groast is‘!“

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