Durch das Wirtschaftswunder und neue Ideen zum Erfolg 1949 - 1969

 Stübben Sattel

Krefeld 1949 - Die Grundlage für einen Neubeginn ist gelegt, das Geschäftshaus am Ostwall 185 steht wieder auf festem Fundament. Noch ist das Haus zwischen benachbarten Trümmergrundstücken isoliert, doch das wird sich bald ändern. Spannende und herausfordernde Jahre warten auf die Sattlerei. Mit der Erfahrung der Eltern und dem Wissen über Lederwaren und -accessoires aus Italien führt Werner Stübben das Erbe seiner Eltern in dritter Generation weiter. Der Herausforderung, alte Geschäftsbeziehungen aufzufrischen und gleichzeitig neue Kontakte zu knüpfen, stellt sich Werner gern. Er nutzt die Chance, seine Ideen in die Tat umzusetzen. Noch immer vom Krieg gezeichnet, gibt es in Deutschland kaum Reiter und Pferde und so bietet das Ladengeschäft am Ostwall erneut seine feinen Lederwaren in großer Auswahl an. Wie früher wird in der Werkstatt wieder geklopft, genäht und repariert. Ehrgeiz, Fleiß und Ideenreichtum zahlen sich aus und schon bald geht es mit dem Unternehmen Stübben wieder bergauf. Die Währungsreform im Sommer 1948 beendet den bis dahin weitverbreiteten Tauschhandel praktisch über Nacht. Ebenso schnell füllen sich die Regale mit Waren, denn die Deutschen entdecken wieder die Lust am Kaufen. Dinge, die man sich lange nicht mehr leisten konnte oder im Krieg verloren hatte, wecken Begehrlichkeit. In der Zeit von 1951 bis 1958 bekommen Werner und seine Frau Carlota drei Söhne und das neu aufgebaute Haus am Ostwall ist neben Geschäft und Werkstatt auch das Zuhause dreier Generationen. Ralph, der älteste Sohn, verbringt den Großteil seiner frühesten Jugend dort und bekommt schon früh mit,was es bedeutet, ein Familienunternehmen zu führen.

Stübben Sattel

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung gewinnt der Pferdesport zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen im ländlichen Raum begeistern sich für diesen Freizeitsport, bei dem die besondere Verbindung von Reiter und Pferd im Vordergrund steht. Die Nachfrage nach hochwertigen Sätteln steigt, wodurch dieses Produkt bei Stübben wieder in den Fokus der Produktion rückt. Das Familienunternehmen erweitert seine Kapazitäten und stellt unter anderem den international erfahrenen Sattlermeister Richard Kroll ein. Dieser hatte in verschiedenen europäischen Ländern gearbeitet und bringt seinen reichen Erfahrungsschatz gewinnbringend ein. Stübben wird als verantwortungsvoller Arbeitgeber zum Ausbildungsbetrieb für junge Menschen - zahlreiche Lehrlinge erlernen hier von Grund auf das Sattlerhandwerk. Auch heute noch werden die Sättel in mehr als hundert Arbeitsschritten per Hand gefertigt. Die gute Auftragslage macht jedoch allmählich eine Anpassung der Arbeitsweise nötig. Während sich bisher jeweils ein Sattler um die Herstellung eines Sattels vom Zuschnitt bis zur Endmontage gekümmert und dann mit dem nächsten Stück wieder von vorn begonnen hat, können durch die Umstellung auf eine arbeitsteilige Produktion schneller größere Mengen ohne Qualitätsverlust gefertigt werden. Alle stark beanspruchten Teile eines Sattels wie Sattelsitz, Sattelkissen oder Strupfen sind handgearbeitet, ebenso Zaumzeuge und weitere Lederartikel. Es werden ausschließlich beste Leder zugeschnitten, abgekantet, gewalkt, bombiert, aufgeputzt, geködert, abgewulstet, überspannt und schließlich zu einem einzigartigen Meisterwerk vollendet. Stübben Produkte stehen für nachhaltige Qualität und Individualität. Davon ist Werner genauso überzeugt wie schon sein Vater und Großvater. Ausschließlich natürliche Materialien mit ihrem ganz eigenen Charakter werden für den Sattelbau verwendet. Somit ist jede Tierhaut unverkennbar von Art und Lebensgeschichte geprägt. Man achtet auf eine natürliche Gerbung des Leders, bei der die individuellen Merkmale nicht kaschiert werden. All die Mühen, die Stübben in den vergangenen Jahrzehnten auf sich genommen hat, zahlen sich aus, denn schon bald kann das Unternehmen einen phänomenalen Aufschwung verzeichnen. Ein schnell wachsender Markt entwickelt sich in den USA und in Kanada. Ein amerikanischer Großhändler erkennt das Potenzial der Stübben Produkte und entwickelt die Idee, Stübben Sättel mit Modellnamen auszustatten, um eine zusätzliche Identifikation zu schaffen. Es sollen deutsche Namen sein, da man deutsche Produkte mit Qualität und Wertarbeit gleichsetzt. So kommt es, dass ein Sattelmodell den Namen „Siegfried“ erhält. Dieser Satteltyp und seine Weiterentwicklungen werden zum meistverkauften der Welt. Mit keinem anderen Sattel wurden so viele Goldmedaillen und Weltmeisterschaften gewonnen. Die Erfolgsgeschichte hatte ihren Anfang in Amerika und hilft Werner, ein globales Vertriebsnetz aufzubauen. Die Weltwirtschaft boomt und Stübben wappnet sich für das zu erwartende Wachstum: ausreichend qualifizierte Mitarbeiter, moderne Maschinen, effiziente Produktionsabläufe und verlässliche Zulieferer bilden die Basis. Der offene Welthandel und internationale Reitsportveranstaltungen rund um den Erdball tragen ihr Übriges dazu bei, dass Sättel und Reitsportartikel von Stübben in allen Ländern vertrieben werden und das Unternehmen Kunden und Freunde auf der ganzen Welt findet. Stübben wird zur Weltmarke. Aufgrund der immens gestiegenen Nachfrage baut Stübben in den 1960er-Jahren neben Deutschland weitere Produktionsstandorte in Irland sowie in der Schweiz auf. Stübben feiert 75. Geburtstag!

Stübben Sattel

 

Stübbens Weg zur Weltmarke 1969 - 1994

Krefeld 1974 - Anfang der 1970er-Jahre tritt Ralph Stübben in die Fußstapfen seines Vaters. Er verfolgt das Ziel, die Marke Stübben in vierter Generation auf dem nationalen und internationalen Markt voranzutreiben und weiter zu stärken. Auch der Mitarbeiterstamm wird zunehmend international. Neben langjährigen Mitarbeitern finden in den 1960er- und 1970er-Jahren auch einige spanische und italienische Gastarbeiter in Krefeld eine Arbeit und spanisch wird übergangsweise zur zweiten Unternehmenssprache. Als ein sehr fähiger spanischer Mitarbeiter, Antonio Galdo, den Wunsch äußert, in sein Heimatland zurückzukehren, entwickelt sich schnell die Idee einer weiteren Expansion auf der iberischen Halbinsel. Der Sattlermeister kennt das Handwerk und Spanien scheint mit seiner langen Pferdetradition ein hervorragender Markt für Reitsportartikel zu sein. Arbeitskräfte zu finden ist einfach, denn die Arbeitslosigkeit in Spanien ist zu diesem Zeitpunkt hoch. Es kommt eins zum anderen und langsam entsteht Ende der 1970er-Jahre ein Produktionsstandort für Zubehörartikel in Nordwestspanien. Bis heute wird dort das gesamte Stübben Lederzubehör gefertigt. In den frühen 1980ern tritt auch Ralphs Bruder Frank Stübben in das Unternehmen ein. Er lebt in der Schweiz und leitet das Unternehmen in Stans. Neben Sportlern sind es aber auch berittene Militär- und Polizeieinheiten, die Stübben beliefert. Beispielsweise gehört unter vielen anderen die Royal Canadian Mountain Police zum Kundenkreis. Schon vor Jahrzehnten hat sich die Einheit aufgrund der hohen Qualität und Langlebigkeit für Stübben Sättel entschieden und nutzt diese seither. Eine besondere Ehre wird in den 1980er-Jahren Werner Stübben zuteil. Ronald Reagan, 40. Präsident der Vereinigten Staaten in der Zeit von 1981 bis 1989, selbst ein passionierter Reiter und Nutzer eines Stübben Sattels, lädt ihn zu einem Besuch ins Weiße Haus ein.