Einfach, aber effizient - Hygieneregeln für den Stall und auf dem Turnier

Während das Corona-Virus weiterhin die Welt in Atem hält, bereiten Pferdebesitzern, Pensionsstallbetreibern und Reitportveranstaltern auch andere Viren bisweilen große Sorgen. So kam vor wenigen Wochen im nordrhein-westfälischen Kreis Kleve ein Hof in Verdacht, dass sich dort das Equine Herpesvirus (EHV) ausgebreitet hat. Ein Infekt, der zwar nicht auf Menschen übertragbar ist, aber bei jungen, alten oder immungeschwächten Pferden unter Umständen lethal enden kann. Einen zugelassenen Impfstoff gibt es, aber nur für zwei der insgesamt fünf Erregerstämme. Keine schönen Aussichten also.

Ein weiteres Problem ist, dass eine ganze Reihe von ansteckenden Pferdekrankheiten wie etwa auch die hochinfektiöse Druse nicht meldepflichtig sind. Das bedingt zum einen, dass die Wege einer Infektion von Stall zu Stall nicht nachvollziehbar sind. Andererseits hat der Amtstierarzt dadurch auch keine Verpflichtung oder gesetzliche Handhabe, eine Hofquarantäne zu verhängen, um die Ausbreitung dieser Seuchen einzudämmen. Es liegt also in der Verantwortung jedes einzelnen, sein eigenes, aber auch fremde Pferde vor einer Ansteckung zu schützen. Aber wie?

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Stallhygiene einhalten

Das Zauberwort für einen sicheren, infektionsfreien Stall lautet „Hygienemanagement“. Dazu zählen so einfache alltägliche Dinge wie gründliches Händewaschen vor dem Betreten des Stalls, die Benutzung von eigenem Putzzeug für jedes Pferd und natürlich das Wechseln der Kleidung für den Fall, dass man vorher einen anderen Pferdebetrieb besucht und Kontakt mit den dortigen Pferden hatte. Regelmäßiges Impfen und Entwurmen steht ja sowieso auf dem Plan jedes verantwortungsvollen Pferdehalters.

Das Problem ist nur, dass auf einem Pferdehof jeden Tag meist reger Publikumsverkehr herrscht, und daher die Einhaltung dieser einfachen Regeln nicht oder zumindest kaum zu kontrollieren ist. Damit sich möglichst alle Beteiligten, also Pferdehalter, Reitbeteiligungen (und deren Eltern), das Stallpersonal und Besucher an diese Regeln halten, kann es sinnvoll sein, diese für jeden gut sichtbar als Schild neben der aushängenden Stallordnung aufzuhängen.

Auch umherlaufende Hunde und Katzen kommen, ohne selber daran zu erkranken, als Überträger von Viren und Bakterien in Frage. Deshalb sollte auf Pferdehöfen zumindest zu Hochzeiten einer grassierenden Viruserkrankung (üblicherweise im Winter) das Führen von Hunden an der Leine und ohne Pferdekontakt selbstverständlich sein. Gibt es in einem Stall bereits Pferde mit Verdachtssymptomen wie Appetitlosigkeit, erhöhter Temperatur oder vermehrtem Nasenausfluss, dann gilt: erst die gesunden Tiere füttern und versorgen, dann die Pferde mit Krankheitssymptomen. Anschließend müssen die benutzten Gerätschaften natürlich gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Weiterhin empfiehlt die FN, in Ställen mit einem regen Wechsel von Pferden eine eigene Box sozusagen als „Quarantänebox“ vorzuhalten. Diese sollte möglichst ohne Kontakt zu Nachbarboxen platziert sein, um krankheitsverdächtige Pferde für 14 Tage bis drei Wochen unter gesonderter Beobachtung zu halten.

Zwar ist gerade das Equine Herpesvirus sehr labil, und kann direkt nicht über weitere Distanzen übertragen werden. Aber bei nachlässiger Stallhygiene können Reiter und Besucher trotz isolierter Haltung des betroffenen Pferdes schnell zum Infektionsüberträger werden. Gleiches gilt auch für das Drusevirus, das ebenfalls sehr leicht übertragen werden kann.

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So bleibt der Stall sauber

Der verantwortungsvolle Umgang mit den Regeln der Stallhygiene ist das A und O einer gesunden Pferdehaltung. Das gilt für das Verhalten des Einzelnen genauso wie für das Management der gesamten Stallanlage. So sollte es selbstverständlich sein, dass der Stallbetreiber für neu einzustallende Pferde ein Gesundheitszeugnis verlangt, und neue Pferde die ersten zehn Tage separat in einer Quarantänebox verbringen und auch tagsüber zu Weidezeiten gesondert von den übrigen Tieren gehalten werden. Zu einem verantwortungsvollen Stallmanagement zählt weiterhin, dass alle Pferde regelmäßig gegen Influenza geimpft werden, und sich der Hofbetreiber im Zweifelsfall vom Pferdehalter den aktuellen Impfeintrag im Equidenpass auch vorzeigen lässt. Ebenso sollten bei allen Pferden des Bestands regelmäßige Entwurmungsaktionen erfolgen.

Weitere hygienefördernde Maßnahmen, die eigentlich sowieso selbstverständlich sein sollten, sind das trockene und saubere Lagern von Heu und anderen Futtermitteln und der verantwortungsvolle Umgang mit Medikamenten vom Tierarzt. Diese sollten nur am betreffenden Pferd und nach tierärztlicher Anordnung sachgerecht angewendet und nicht im Futterwagen durch den ganzen Stall transportiert werden. Und das eigenmächtige Weitergeben von medizinischen oder naturheilkundlichen Salben, Cremes, Tinkturen oder Pasten („Das hat meinem auch prima geholfen“) ist infektionstechnisch gesehen natürlich auch ein absolutes No-Go.

Um lästigen und meist sehr langwierigen Pilzinfektionen vorzubeugen, sollten alle Gegenstände, mit denen ein Pferd unmittelbar in Berührung kommt, also Sättel, Satteldecken, Putzzeug, Hufkratzer, Bürsten, Kämme etc. separat von den Utensilien anderer Pferde gelagert und nach Benutzung unmittelbar (und sauber) wieder an ihren Platz geräumt werden. Auch die tägliche Kontrolle von Tränken und Futtertrögen auf Verunreinigungen gehört zum ganz selbstverständlichen kleinen Einmaleins der Stallhygiene.

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Hygiene für Unterwegs

Steht ein Turnier oder sonst eine Reise zu einer Pferdeveranstaltung an, gibt es auch hier eine ganze Reihe von Maßnahmen, die dazu beitragen, das Pferd gesund zurück in den Heimatstall zu bringen. So ist es natürlich selbstredend, nur mit einem topfitten Pferd zu einem Turnier zu fahren, um nicht selber zum Überträger von Krankheiten zu werden. Vergessen Sie neben Sattel und Trense nicht, auch ausreichend Heu und einen sauberen Eimer zum Tränken einzupacken. Idealerweise haben Sie im Auto oder im Pferdeanhänger auch noch Platz für ein paar Kanister voll Wasser aus dem heimischen Stall. Denn auf dem Turnier kann beispielsweise eine als Tränke dienende Badewanne zur Keimschleuder werden. Aber auch der Schlauch der Wasserpumpe kann so manche gesundheitlich unliebsame Überraschung bereithalten. Mit eigenem Wasser und Eimer sind Sie dagegen hygienetechnisch auf der sicheren Seite. Und dass ja überhaupt nur regelmäßig halbjährlich gegen Influenza geimpfte Pferde an einem Turnier teilnehmen dürfen, weiß eigentlich jeder sportlich ambitionierte Reiter. Da bekanntermaßen Vorsicht nicht nur die Mutter der Porzellankiste ist, sollten Sie auf dem Abreiteplatz und dem Hängerparkplatz natürlich auch darauf achten, dass Ihr vierbeiniger Sportpartner keinen engen Kontakt zu Artgenossen aufnimmt. Und das nicht nur zu Infektionszeiten, sondern auch den Rest des Jahres über. Denn Krankheitserreger haben einen „langen Atem“ -zu jeder Zeit und überall. Leider.