Der Transport im Hänger ist für viele Pferde Schwerstarbeit.

Mussten Pferde in früheren Zeiten noch schwere Gespanne durch die Gegend ziehen, werden sie heute selber von starken Maschinen bequem von A nach B gezogen. „Gut gemacht, Pferd“, sollte man denken. Bei genauem Hinsehen ist aber auch der vermeintlich bequeme Transport im Pferdehänger nach wie vor kein wirkliches Vergnügen für die meisten unserer Reittiere. Natürlich gibt es immer mal auch echte „Transport-Cracks“ unter ihnen, die es lieben, ohne eigenes Zutun vom heimischen Stall zum Turnier, zum Ausritt, in den Urlaub, auf die Pensionsweide oder sonstwohin gefahren zu werden. Aber für die meisten Pferde ist und bleibt eine Hängerfahrt eine anstrengende und oft wenig geliebte Angelegenheit.

 

Schwierige Balance

Wer einmal auf dem Privatgelände des heimischen Hofs oder des Pensionsstalls versuchsweise das Abenteuer auf sich genommen hat, ein paar Meter in einem fahrenden Hänger auszuhalten, bekommt eine leise Ahnung davon, auf was sich unsere Pferde beim Transport einlassen müssen. Denn es ist ja nicht nur der schwankende Boden unter ihren Hufen. Selbst die kleinste Kurve und das vorsichtigste Beschleunigen und Abbremsen fühlt sich im Pferdeanhänger an wie eine wilde Holperfahrt auf einer Serpentinenstraße in den Alpen. Das liegt zum einen daran, dass die meisten Pferdehänger (von den ganz luxuriösen, teuren Gespannen einmal abgesehen) nicht sonderlich aufwändig gefedert sind. Hinzu kommt, dass Pferdeanhänger straßenverkehrsrechtlich als Einachser konzipiert sein müssen und auch sind, damit sie mit dem „normalen“ PKW-Führerschein gezogen werden dürfen. Das wiederum bedingt, dass deren Fahrdynamik jede Bodenwelle, jede Kurve und jedes Bremsmanöver verlustfrei, sozusagen 1:1, an den Innenraum weiterleitet.

Was den Transport für Pferde im Hänger noch schwieriger macht ist die Tatsache, dass sie sich aufgrund der Anatomie ihrer Schulter- und Hüftgelenke in Kurven kaum zur Seite hin abstützen können. Auch deshalb ist vor der Abfahrt immer sicherzustellen, dass die Tiere fest und passgenau vom (natürlich gut gepolsterten) Sicherungsgestänge des Hängers gestützt und gehalten werden. Was die Fahrt für sie natürlich auch nicht unbedingt angenehmer macht…

 

Fahren wie mit „Samthandschuhen“

Wer mit seinem Pferd im Hänger unterwegs ist, darf vor allem eines nicht haben, nämlich Zeitdruck. Eine hastige Fahrweise mit der Uhr im Nacken macht die Reise für ihr Pferd zum „Höllentrip“. Und ob es nach überstandener Hinfahrt dann für die Rückreise auch wieder in den Hänger einsteigen wird, darf zumindest bezweifelt werden. Oft auch zu Recht. Haben Sie jedoch ausreichend Zeit „im Gepäck“, können Sie sich eine gelassene, stressfreie Fahrweise leisten und noch vorausschauender fahren, als Sie es sonst schon tun. Der beste Lehrmeister in diesen Dingen war für mich der Vater eines Freundes, der einmal mein Pferd zu einer Reitveranstaltung fahren sollte. Er bewegte das Gespann so sanft wie auf Wolken, und auf der ganzen Reise gab es für mein Pferd nicht ein einziges unangenehmes Fahrmanöver. Nach seinem Beruf befragt stellte sich heraus, dass der Herr Glaser war, und mit seiner zerbrechlichen Ware im Anhänger tagein, tagaus auf den unterschiedlichsten Straßen zu seinen Kunden unterwegs sein musste. Die Vorstellung während der Fahrt, das Pferd oder die Pferde im Hänger seien aus Glas, ist meiner Erfahrung nach tatsächlich eine sehr gute Hilfe bei der Wahl der eigenen Fahrweise. Schließlich soll ja auch Ihr Pferd ganz und unbeschädigt am Ziel ankommen.

 

Gute Reise

Für eine kurze Fahrt zum nächsten Turnier im Nachbarort braucht es in der Regel keine größeren Vorbereitungen. Pferd einladen, Klappe zu, am Ankunftsort behutsam ausladen, fertig.

Anders sieht die Sache aus, wenn eine längere Reise, zum Beispiel in einen weiter entfernten Urlaubsort, ansteht. Dann gehören neben dem Equidenpass, dem Sattel und der Trense noch eine ganze Reihe weiterer Dinge ins Pferdegepäck. Denken Sie beim Beladen des Gespanns daran, ausreichend Wasser mitzunehmen, um ihrem Vierbeiner unterwegs etwa alle zwei Stunden eine kurze Tränkepause zu gönnen. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Ihr Pferd zwar seine Nase in den Eimer steckt, aber kaum einen Tropfen trinkt. Diese Erfahrung machen fast alle Pferdeleute, die mit ihren Reittieren lange Reisen unternehmen. Durst scheint für Pferde unterwegs auch auf langen Fahrten offenbar eher kein Problem zu sein.

Auch ein gut gefülltes Heunetz sollte immer mit von der Partie sein, denn langer „Leerlauf“ im Magen bekommt keinem Pferd gut. Außerdem wirkt beständiges Heuzupfen auf der Fahrt beruhigend, und kann auch Langeweile vorbeugen.

Entgegen der wohlmeinenden Empfehlung, unterwegs alle zwei Stunden eine Rast einzulegen, damit das Pferd ausgeladen werden, sich etwas bewegen und dabei ein wenig „die Beine vertreten“ kann, rate ich von diesem Hinweis eher ab. Gerade bei „Wackelkandidaten“ beim Verladen kann so etwas nämlich verhängnisvoll werden, wenn Sie nach der Pause irgendwo im Nirgendwo Schwierigkeiten bekommen, Ihr Pferd wieder in den Hänger einsteigen zu lassen, um die Reise fortzusetzen. Hier gilt wie auf Kurzfahrten: Zuhause einladen, losfahren, und erst am Zielort wieder ausladen.

Ein weiteres, sehr sinnvolles Reiseutensil auf Langstrecken ist ein gutsitzender Schweifschoner. Denn beim Anfahren und Beschleunigen des Gespanns stützt sich das Pferd mit seiner Hinterhand gegen die hintere Querstange. Einem ungeschützten Schweif bekommt so etwas nicht gut, schlimmstenfalls scheuert er sich während der langen Fahrt auf. Ob auch Transportgamaschen angelegt werden sollten, hängt davon ab, wie sicher Ihr vierbeiniger Partner im Hänger auf seinen Beinen steht. Bei einem reiseunerfahrenen Pferd, das Schwierigkeiten hat, sich im Hänger auszubalancieren, empfiehlt es sich sehr, seine empfindlichen Beine entsprechend zu schützen und zu polstern. Ein erfahrener „Reiseprofi“ wird dagegen wahrscheinlich sehr froh sein, ohne störende Gamaschen unterwegs zu sein.

 

Mit der richtigen Ausrüstung und einer rücksichtsvollen Fahrweise bleibt dann eigentlich nur noch, Pferd und Reiter eine „Gute Reise“ zu wünschen.