Wer die passende Verschnallung für sein Pferd sucht, hat die Qual der Wahl - Englisch oder Hannoversch, oder doch besser gleich ein mexikanisches Reithalfter?  Auf was kommt es an?

Wie vieles in der Ausrüstung von Pferd und Reiter ist das Sperrhalfter, genauer gesagt der am Nasenriemen befestigte Sperrriemen, militärischer Herkunft. Er diente ursprünglich ausschließlich dazu, im Kampfgetümmel ein Durchrutschen der Trense durchs Pferdemaul zu verhindern. Denn das Bemühen um feine Zügelhilfen war auf dem Schlachtfeld das geringste Problem berittener Soldaten. Da ging es schon mal recht grob zur Sache, und ein heftiger einseitiger Zug an einem Zügel konnte eben dazu führen, dass die gesamte Verschnallung am Pferdekopf verrutschte. Und dann hatte der betreffende Soldat ein echtes Problem.

Heute geht es im Umgang mit unseren Pferden glücklicherweise weitaus friedlicher zu. Trotzdem hat sich der Sperrriemen aus den vergangenen Jahrhunderten bis in die Gegenwart an den Trensen hartnäckig gehalten. Dabei gehörte dieses Utensil nicht „von Anfang an“ zur Ausrüstung eines Pferdes. Auf zeitgenössischen Darstellungen von Reitervölkern wie den Hunnen oder den nordamerikanischen Prairieindianern fehlt dieses Detail häufig. Was also bedeutet, dass es grundsätzlich auch „ohne“ gehen kann.

Sperriemen, Stübben , Nasenriemen, Pferd, Sattel

Nicht zu eng verschnallen

Heute ist der eigentliche Zweck eines Nasenriemens zu verhindern, dass sich das Pferd durch das Aufsperren seines Mauls den Zügelhilfen entzieht. Wo genau der Nasenriemen um das Pferdemaul bzw. die Pferdenase geschnallt wird, spielt dabei kaum eine Rolle, wie eine wissenschaftliche Untersuchung von Kienapfel und Preuschoft von der Ruhr-Universität Bochum aus dem Jahr 2010 belegt.

Schon in der „Heeresdienstvorschrift 12“ (HDv 12) aus dem Jahr 1912 und von Kaiser Wilhelm II noch persönlich unterschrieben, ist zu lesen, dass der Nasenriemen mitsamt Sperrriemen so locker zu verschnallen ist, dass mindestens zwei Finger zwischen Nasenbein und Sperrriemen passen. Aus gutem Grund: Damit ein Pferd abkauen und einspeicheln kann, müssen die Zähne zwischen Ober- und Unterkiefer mindestens zwei Zentimeter Platz zum Kauen haben. Und auch ein Belohnungsleckerli kann nur angenommen und gekaut werden, wenn sich die Kiefer einigermaßen frei bewegen können. Wird zum Nasenriemen zusätzlich ein Sperrriemen eingeschnallt, ist weiterhin zu beachten, dass auch dieser nicht zu eng ist. Denn zu straff zugeschnallt, engt er die sogenannte „Nasentrompete“, also die elastische Fortsetzung der Nüstern nach oben, ein. Dadurch bekommt das Pferd zu wenig Luft, und es wehrt sich logischerweise gegen das „Ding“ um seine Nase herum, das ihm die Luft abschnürt.

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Fachliche Beratung hilft weiter

Ein schlecht passendes Reithalfter kann bei Ihrem Pferd auf Dauer mehr Schaden anrichten, als dass es Ihnen und Ihrem Vierbeiner nützt. Denn zu straff verschnallt, behindert das Zaumzeug physisch nicht nur die Atmung und das Abkauen. Es zerstört auch das Vertrauen des Pferdes zu seinem Reiter, weil es sich unter dem Sattel nicht wohl fühlt. Sind Sie sich nicht sicher, ob der Zaum Ihrer Wahl wirklich passt, sollten Sie sich daher nicht scheuen, einen Fachmann, etwa einen erfahrenen Reitlehrer oder einen Sattler, um Rat zu fragen.