Auf der Suche nach dem Wunschpferd kommt es nicht nur auf Äußerlichkeiten an.

Schön und imposant soll es sein. Mit viel Ausdruck und wachen Augen. Und natürlich ein Brauner oder wenigstens ein Fuchs. Also schnell ein entsprechendes Internetportal aufmachen und nachsehen, was so alles angeboten wird.

Wer sich auf diese Art und Weise auf die Suche nach seinem Traumpferd macht, begibt sich auf sehr dünnes Eis. „Ein gutes Pferd hat keine Farbe“ – das wussten schon die alten Stallmeister vergangener Jahrhunderte. Denn es kommt nicht nur auf Äußerlichkeiten an, auch die „inneren Werte“ wie Gelassenheit und der Charakter spielen eine wichtige Rolle. Begriffe wie „Schmiede- und Verladefromm“ in der Beschreibung eines Pferdes sagen da wenig aus. Und ob die „Chemie“ zwischen Pferd und Kaufinteressent stimmt, das sagt einem das Internet natürlich erst recht nicht. Da hilft nichts anderes, als sich mit dem Verkäufer in Verbindung zu setzen und einen Besuchstermin zu vereinbaren, um das Pferd seiner Wahl kennenzulernen und richtig einschätzen zu können. Haben Sie nach dem ersten Besuch noch kein wirklich gutes „Bauchgefühl“, dann vereinbaren Sie ruhig einen weiteren Besuchstermin. Wer es als Verkäufer gut meint mit seinem Pferd, dem ist natürlich auch daran gelegen, dass es einen guten Platz bekommt und im Idealfall lebenslang bei seinem neuen Besitzer oder seiner neuen Besitzerin bleiben kann. Macht der Verkäufer aber Druck, dass Sie sich jetzt und hier sofort entscheiden müssen (was ich selbst oft genug erlebt habe), weil „da noch viele andere Interessenten warten“, dann werden Sie besser misstrauisch. Kaufen Sie Ihr Traumpferd von privat, dann fragen Sie auch ruhig nach dem Grund, warum das Pferd verkauft werden soll.

 

Die Ankaufsuntersuchung - nur eine Momentaufnahme

Lässt sich der Verkäufer auf eine Ankaufsuntersuchung ein, bedeutet das leider nicht, dass Sie damit auf „der sicheren Seite“ sind. Denn was der Tierarzt bei seiner Untersuchung über das Pferd herausfindet, ist lediglich eine Momentaufnahme und längst nicht „in Stein gemeißelt“. Haben Sie Ihr Herz beispielsweise an ein noch junges, im Wachstum befindliches Pferd verschenkt, bedeutet ein befundfreies, unauffälliges Röntgenbild seiner Gelenke nicht, dass auch weiterhin alles ok sein wird. Denn es kann durchaus sein, dass sich im weiteren Wachstum, nämlich wenn das Pferd zu schnell wächst, in Gelenknähe kleine Knochenabsplitterungen, die sogenannten „Chips“ bilden können. Gelangen diese bei der weiteren Entwicklung des Pferdes dann in die Gelenke, führen sie zu ernsten Problemen und Lahmheiten.

Bleibt das Abhören von Herz, Lunge und Darm ohne Befund, bedeutet das nur, dass Ihr Wunschpferd im Moment keine Probleme mit diesen Organen hat. Ob sich später Probleme wie Allergien oder Unverträglichkeiten einstellen, kann selbst der beste Tierarzt allein aufgrund einer Ankaufsuntersuchung nicht vorhersagen. Eine gute Basis dafür, dass Ihr Wunschpferd rundum wirklich gesund ist, ist seine Herkunft aus einer möglichst artgerechten Haltung mit viel Bewegung, frischer Luft und Sozialkontakt mit Artgenossen. Und diese Haltungsbedingungen lasen sich auch ohne Tierarzt mit einem Blick zuverlässig erfassen.

 

Die Fellfarbe - nicht nur eine Frage des Geschmacks

Die Frage, ob es ein Schimmel sein soll, ein schicker Brauner oder doch vielleicht ein Schecke mit einer interessanten Fellzeichnung, ist allerdings keine reine Sache des persönlichen Geschmacks. Hier stimmt der Satz „ein gutes Pferd hat keine Farbe“ doch nicht (mehr) so ganz. So neigen beispielsweise Schimmel im Alter eher zu Karzinomen als Pferde anderer Farben. Rassen, die fast ausschließlich auf Farbe gezüchtet werden, etwa Schecken oder Appaloosas, neigen wiederum häufiger zur Ausprägung von bestimmten Stoffwechselerkrankungen als Pferde mit einem einheitlichen Fell und auf der Basis von anderen Zuchtzielen wie Kondition und Ausdauer.

 

Pferdekauf ist Vertrauenssache

So banal es klingt: jedes Pferd ist anders. Und seine Entwicklung und sein Verhalten in seinem neuen Zuhause sind in etwa so vorhersehbar wie der Inhalt einer Wundertüte. Es gibt aber Möglichkeiten, das Potenzial für künftige Schwierigkeiten beim Kauf seines Wunschpferdes etwas einzugrenzen. Dazu zählt auch, sich ruhig den Rat eines erfahrenen Dritten einzuholen und den Kauf unter fachlicher Begleitung zu tätigen. Das sollte aber nicht nur die beste Freundin sein, die vielleicht selber schon ein eigenes Pferd hat. Wenn möglich, bitten Sie auch Ihren Reitlehrer, Ihren Trainer oder eine andere, pferderfahrene Person Ihres Vertrauens, Sie zum Kauftermin zu begleiten. Vier Augen sehen schließlich mehr als zwei, und ein objektiver Blick auf das Pferd von einem Profi kann nicht schaden und im schlimmsten Fall sogar viel Geld sparen.

Hat Ihr Wunschpferd aber alle Beteiligten überzeugt, dann nichts wie rein in den Hänger und ab nach Hause. Denn schließlich wartet nun der Beginn einer wunderbaren neuen Freundschaft auf Sie und -endlich- auch Ihr Pferd. Egal, ob Schimmel, Fuchs oder Brauner.