Ob Dressur, Springen, Western, Polo oder Working Equitation – für jede Reitsportdisziplin gibt es spezielle Sättel. Und weil zudem jeder Pferderücken anders ist, braucht es für die Herstellung eines Sattels jede Menge Fachwissen. Und viel Geduld. Langweilig wird es einem Sattler in seinem Beruf also nie.

Anders als man vielleicht meinen sollte, waren die ersten Sättel, die Menschen auf die Rücken ihrer Pferde schnallten, gar nicht zum Reiten gedacht. Sondern dienten als Packsättel dazu, Hausrat und anderes Gepäck über weite Strecken zu transportieren und dabei gleichzeitig den Pferderücken zu schonen. Diese sogenannten „Bocksättel“ bestanden aus zwei Brettern, die seitlich auf dem Pferderücken lagen und vorne und hinten mit einem Bügel verbunden waren. Die Wahl des Materials für so einen Sattel richtete sich dabei nach dem, was die Natur hergab: in waldreichen Gebieten waren diese Sättel üblicherweise aus Holz gefertigt, aber in baumlosen Steppenregionen mussten dafür auch schon mal die Knochen verendeter Tiere herhalten.

Die Kelten entwickelten eine erste Art von Reitsätteln, indem sie an einen stabilen hölzernen Sattelbaum vorne und hinten eine Art „Hörner“ anbrachten, die dem Reiter einen sicheren Halt im Sattel gaben. Diese Erfindung stellte sich als derart praktisch heraus, dass sie schon bald von den Römern übernommen wurde. Das Reitervolk der Sarmaten, das vor mehr als 2000 Jahren im heutigen Iran sein Unwesen trieb, verpasste seinen Sätteln einen kräftig gebauten Hinterzwiesel und eine lederne Polsterung, um sich im Schlachtgetümmel besser im Sattel halten zu können.

Schon im dritten Jahrhundert nach Christus haben sich asiatische Reiternomaden den Steigbügel einfallen lassen, um sich noch besser auf dem Pferderücken halten zu können. Zunächst waren das einfache Lederschlaufen, doch schon bald kamen die ersten „richtigen“ Steigbügel aus Metall oder Holz auf. Bis sich diese tolle Erfindung bei uns in Mitteleuropa durchsetzen konnte, sollten aber noch etwa 500 Jahre vergehen – die ersten mittelalterlichen Reiter, deren Füße in Steigbügeln steckten, sind hierzulande erst im achten Jahrhundert nachgewiesen.

 

Technisches Know-how gefragt

An dem Prinzip des Aufbaus eines Sattels hat sich bis Heute eigentlich nicht viel geändert. Dafür aber umso mehr bei den verwendeten Materialien! Vor allem beim Sattelbaum finden neben Holz auch moderne Materialien wie Aluminium, Stahl oder Kunststoffe Anwendung. Und auch bei der Lederverarbeitung hat sich seither natürlich viel getan. Je nach Verwendungszweck entscheidet der Sattler, welche Art von Leder an welcher Stelle des Sattels angebracht wird. So soll der Sitz eines Dressursattels weich gepolstert sein, damit sich der Reiter tief in den Sattel setzen kann, wogegen der Sitz eines Polosattels hinsichtlich der Beschaffenheit des Sitzleders ganz andere Anforderungen erfüllen muss.

 

Viele Arbeitsschritte

Bis ein Sattel auf dem Pferderücken festgeschnallt werden kann, sind bei seiner Anfertigung viele Handgriffe notwendig, die bei Stübben auch heute noch weitgehend in Handarbeit erledigt werden. Das beginnt beim Zuschneiden der entsprechenden Lederteile und endet noch lange nicht beim Anbringen und Vernähen des Sattelleders am Sattelbaum. Bis bei den Sattelprofis in Kempen am Niederrhein ein Sattel fertig ist, braucht es je nach Ausstattung des Sattels mehr als 100 Arbeitsschritte. Dazu zählt das Polstern der Kissen, das Beziehen der Pauschen und die Matrazierung der Sitzfläche, das Abziehen der Kanten des Leders mit einer Art Spezialhobel sowie das Färben und Brennen der Kanten (das sogenannte „Aufputzen“). Weitere Arbeitsschritte, die bei der Anfertigung eines qualitativ hochwertigen Sattels anfallen, sind Details wie das leichte Wölben des Sattelblatts nach innen, damit sich der Sattel besser an das Pferd anschmiegt und das Reiterbein nicht mit der Oberkante der Reitstiefel am Sattelblatt hängenbleiben kann (das sogenannte „Bombieren“), das Anbringen der „Kedernaht“ an der Sitzfläche („ködern“) und das Bespannen des Sitzes.

Die Kunstfertigkeit des Sattlers endet natürlich nicht beim Bearbeiten und Vernähen des Leders. Kommen hinsichtlich der Ausstattung des Sattels noch besondere Kundenwünsche hinzu, etwa farbige Ziernähte oder Strasssteine, kann der Sattler auch hierbei „allen Sätteln gerecht“ werden.