Der Beruf des Hufschmiedes, oder genauer des „Hufbeschlagschmiedes“, wie dieser Beruf heute offiziell genannt wird, hat eine unglaublich lange Tradition. Und Schmiede hatten früher weit mehr zu tun als sich „nur“ um die Hufe von Pferden zu kümmern.

Als Pferde noch Arbeitstiere waren, die sich ihr Futter mit harter Arbeit unter dem Sattel oder vor der Kutsche wortwörtlich „erarbeiten“ mussten, standen alle Pferdehalter vor der Erfindung des Hufeisens vor dem gleichen, ganz großen Problem: ein wildlebendes Pferd, das frei über die Steppe streift, nutzt seine Hufe nur in dem Maß ab, wie das Hufhorn nachwächst. Weil domestizierte Pferde aber Tag für Tag schwere Lasten schleppen oder ihren Reiter tragen mussten, nutzte sich ihr Hufhorn viel schneller ab, als es nachwachsen konnte. So gibt es beispielsweise einen Bericht, wonach Alexander der Große auf seinem Feldzug durch Asien um 400 v.Chr. viele Pferde aufgrund von Hufproblemen verlor.

Wann genau den ersten Pferden Hufeisen unter die Hufe genagelt wurden, weiß bis heute niemand so genau. Ausgrabungen von Archäologen geben aber Hinweise darauf, dass schon die Kelten, so etwa um Christi Geburt herum, ihre Pferde mit Hufeisen beschlagen haben. Dabei waren für die Herstellung der Eisen und der Hufnägel die Druiden zuständig, aufgenagelt wurden die Eisen aber von den Kriegern der jeweiligen Stämme. Zwar hatten diese Hufbeschläge schon in etwa die Form heutiger Hufeisen, sie waren aber leichter und kleiner. Wobei letzteres in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass auch die damaligen Pferde im Allgemeinen sehr viel kleiner als heutige Sportpferde und somit auch auf kleineren Hufen unterwegs waren.

Ab dem vierten Jahrhundert n.Chr. hatten dann die Alemannen die Kunst des Schmiedens und Beschlagens von Pferden soweit entwickelt, dass sie eine Vielzahl an Formen von Hufeisen für die unterschiedliche Nutzung ihrer Pferde kannten. Auch war der Stahl jetzt härter und damit stabiler als noch bei den Kelten.

Umfangreiche Aufzeichnungen, wie ein Pferd zu beschlagen ist, gibt es in Deutschland, Frankreich und Italien seit dem 15. Jahrhundert. Die darin beschriebenen Grundsätze des Hufbeschlags gelten im Großen und Ganzen heute noch. Und auch die Form der Werkzeuge, also der Huf- und Beschlagzangen, der Hämmer, der Raspel und der vielen anderen zur Hufbearbeitung notwendigen Werkzeuge hat sich spätestens seit dem Mittelalter kaum mehr verändert. Die ersten Hufschmiedeschulen in Europa entstanden aber erst im 19. Jahrhundert.

 

Mehr als Eisen aufnageln

Die Meister ihres Faches waren in vergangenen Jahrhunderten aber nicht nur zum Beschneiden der Hufe und dem Schmieden und Aufbrennen der Eisen da. In Gegenden, in denen es noch keine Tierärzte gab (und das waren wohl die meisten), übernahmen die Schmiede als eine Art „Rossarzt“ auch die Versorgung kranker oder verletzter Pferde und, wenn nötig, das Kupieren der Schweife von Pferden, die vor dem Wagen oder der Kutsche liefen. Die dabei angewendeten Methoden waren allerdings längst nicht so pferdeschonend wie in der heutigen Veterinärmedizin. Aber sie haben, jedenfalls meistens, doch wohl recht gut funktioniert. Und damit nicht genug, konnte ein guter Schmied als echter „Allrounder“ nicht nur Pferde, sondern auch die Klauen von Rindern bearbeiten und beschlagen. Aufgrund seines Wissens um die Kunst des Schmiedens und der Metallbearbeitung sowie seiner heilkundigen Fähigkeiten genossen Schmiede in alten Zeiten die Hochachtung ihrer Mitmenschen. Bisweilen wurden ihnen sogar magische Kräfte zugeschrieben, und es ist kein Zufall, dass Thor, die germanische Gottheit des Donners und des Blitzes, in den nordischen Göttersagen als Schmied erscheint.

 

Kein einfacher Einstieg

Wer in früheren Zeiten Schmied werden wollte, ging ganz einfach bei einem tüchtigen Meister in die Lehre, um das Handwerk von Grund auf zu lernen. Dazu zählte übrigens nicht „nur“ das Bearbeiten und Beschlagen von Pferde- und Rinderhufen, sondern auch das Bereifen von hölzernen Kutschenrädern mit geschmiedeten Eisenbändern. Diese sehr schweißtreibende Arbeit, die nur im Team mit mehreren Schmiedegesellen geleistet werden konnte, war notwendig, um die hölzernen Radfelgen der Kutschen- und Karrenräder gegen Abrieb und Abnutzung zu schützen.

Diese Vielfalt der Tätigkeiten ist in der heutigen Berufswelt ein wenig verloren gegangen. Die Ausbildung zum staatlich geprüften Hufbeschlagschmied setzt jetzt eine bereits vorhandene Berufsausbildung oder eine mindestens zweijährige Beschäftigung bei einem geprüften Hufbeschlagschmied voraus. Dann folgt eine zweieinhalbjährige Weiterbildung in Vollzeit an einem Berufskolleg, bis der Bewerber oder die Bewerberin zur Prüfung zugelassen werden kann.

 

Das nächste Mal: Das Sattlerhandwerk – uralte Tradition trifft Moderne