Wer richtig Zoff mit seinem Stallbetreiber hat, für den ist ein Stallwechsel die beste Möglichkeit, Ärger aus dem Weg zu gehen. Doch für Pferde ist so ein Umzug meist überhaupt keine gute Idee. Deshalb sollte ein endgültiger „Tapetenwechsel“ sehr gründlich überlegt und abgewogen sein.

Dass ein in die Jahre gekommenes Pferd seine Pensionsweide und sein „Rentnerdasein“ an demselben Ort genießt, wo es geboren wurde, ist heutzutage eine ganz große Seltenheit. Die meisten Pferde wechseln in ihrem Leben mindesten ein-, wenn nicht sogar mehrmals den Stall. Sei es durch Verkauf, durch einen Umzug ihres Besitzers in eine andere Stadt, weil sich die Haltungsbedingungen im bisherigen Stall verschlechtert haben und dergleichen mehr. Doch ein Pferd aus seinem gewohnten Umfeld herauszunehmen, will sehr genau überlegt und vorbereitet sein.

Zwar stimmt es, dass wildlebende Pferde in der Natur auf der Suche nach guten Futterplätzen und frischen Wasserstellen jeden Tag etwa 20 Kilometer weit in Bewegung sind, und sie legen sich am Ende des Tages niemals an der gleichen Stelle zum Schlafen nieder, an der sie am Morgen aufgewacht sind. Doch dieser Ortswechsel erfolgt im langsamen Tempo einer grasenden Pferdeherde und -ganz wichtig- im beständig stabilen Sozialverband der gewohnten Herde. In menschlicher Haltung dagegen erfolgt ein Ortswechsel für das Pferd immer erzwungenermaßen, Die Umgebung und das soziale Pferdeumfeld ändern sich nicht langsam und für das Tier nachvollziehbar, sondern sehr abrupt. Von einem auf den anderen Tag ist plötzlich nichts mehr, wie es war.

 

Pferde sind Gewohnheitstiere

Oft erfolgt ein Umzug zum Wohl des Pferdes, etwa weil sich die Haltungs- und Versorgungsbedingungen auf dem Hof, zum Beispiel durch einen Besitzerwechsel, objektiv verschlechtert haben. Doch auch, wenn sich die Situation des Pferdes durch den Wegzug in einen anderen Stall verbessert, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass so ein Umzug für den Vierbeiner immer puren Stress bedeutet. Denn er wird von jetzt auf gleich aus seinem gewohnten, vertrauten Umfeld herausgeholt. In seinem neuen Zuhause ist alles ganz anders – neue Boxennachbarn oder im Offenstall eine fremde Herde, neue Bezugspersonen, andere Fütterungszeiten, anderes Futter und Wasser mit einem fremden Geschmack. All‘ das sind Stressfaktoren, die das Leben des Pferdes komplett auf den Kopf stellen. Und je nach Temperament und Veranlagung kommt jedes Pferd unterschiedlich gut damit zurecht. Manchen Pferden fällt es nicht allzu schwer, sich auf die neue Situation einzustellen, andere leiden dagegen sehr lange und intensiv an dem Verlust ihres „alten“ Umfeldes. Das Problem: oft sieht man Pferden zunächst nicht so ohne weiteres an, ob sie den Stallwechsel gut überstanden haben.

 

Zeit lassen und Sicherheit geben

Ob der Spruch „Die Zeit heilt alle Wunden“ auch bei Pferden wirklich so zutrifft, sei einmal dahingestellt. War der Ortswechsel wirklich unvermeidlich, sollten Sie sich in den ersten Wochen und Monaten jedoch ganz besonders intensiv um Ihr Pferd kümmern und möglichst viel Zeit mit ihm verbringen. Schließlich sind Sie ja das Einzige, was aus seinem „alten“ Leben noch übriggeblieben ist. Vermitteln Sie Ihrem Pferd Sicherheit, indem Sie ihm einen festen, geregelten Tagesrhythmus vorgeben. Feste Fütterungs- und Besuchszeiten, gemeinsames Erkunden der neuen Umgebung und vorsichtiges Gewöhnen an die neuen Boxennachbarn helfen, den Schock des Stallwechsels zu verarbeiten. In dieser Zeit sollten Sie auch ein doppelt wachsames Auge auf sein Allgemeinbefinden haben. Frisst es seine Futterration mit Appetit? Behält sein Fell den gewohnten Glanz? Hat es einen wachen, neugierigen Blick?

Wie lange die Umgewöhnungsphase in das neue Zuhause dauert, ist individuell sehr verschieden. Als Faustregel gilt, dass ein Pferd mindestens drei Monate braucht, um sich in seinem neuen Umfeld sicher und geborgen zu fühlen. Rechnen Sie aber damit, dass es unter Umständen weitaus länger dauern kann, bis Ihr vierbeiniger Schützling wirklich „Huf gefasst“ und seinen Platz in seiner neuen kleinen Welt gefunden hat. Eingewöhnungszeiten bis zu einem Jahr sind hierbei nichts Ungewöhnliches!

 

Den Umzug richtig vorbereiten

Gründliche Vorbereitung kann helfen, den Umzugsstress für Ihren Vierbeiner zu reduzieren. Wenn möglich, sollten Sie Ihr Pferd schon einige Wochen vor dem „Tag X“ an das in seinem zukünftigen Zuhause übliche Futter gewöhnen. Bereiten auch Sie sich auf den Umzugstag vor, indem Sie sich vorab sehr genau mit den zukünftigen örtlichen Gegeben- und Gepflogenheiten vertraut machen. Dazu zählt auch, sich schon rechtzeitig vor dem Umzug den neuen Mit-Einstallern vorzustellen und sie über das Wesen, den Charakter und die Eigenarten Ihres Pferdes zu informieren. Denn je besser Ihre neuen „Nachbarn“ über Ihr Pferd Bescheid wissen, desto leichter wird es ihnen fallen, am Tag der Ankunft richtig auf den „Neuzugang“ zu reagieren.

Und auch, wenn es vielleicht schwerfällt: verhalten Sie sich in den Tagen kurz vor dem Umzug Ihrem Pferd gegenüber so „normal“, wie es das von Ihnen gewöhnt ist. Wenn Sie dann auch am endgültigen Abschiedstag so gelassen bleiben, als ginge es nur zum nächsten Turnier, ist der Weg in den neuen Lebensabschnitt Ihres Pferdes bestens vorbereitet.