Bei einem hochwertigen Sattel zählen auch die „inneren Werte“.

Wohl für die meisten von uns ist der Sattel beim Reiten das wichtigste „Bindeglied“ zwischen dem Reiter und seinem Pferd. Dabei ist für einen sicheren Ritt das wichtigste, dass sich der Sattel, ganz gleich ob Dressur-, Spring-, Vielseitigkeits- oder sonst ein Spezialsattel, in einem optimalen Zustand befindet. Woran man einen hochwertigen Sattel von einem minderwertigen Produkt unterscheiden kann, erläutert Charlotte Lemke, Sattlermeisterin in der Gläsernen Manufaktur von Stübben in Kempen am Niederrhein: „Grundsätzlich sollten Sie sich immer im Fachgeschäft von einem versierten Sattler beraten lassen. Denn vieles, was einen guten, sicheren und komfortablen Sattel ausmacht, kann man von außen nicht erkennen“.

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„Innere Werte“

Die Qualität eines Sattels beginnt bereits bei der Beschaffenheit des Sattelbaums. Im Hause Stübben werden dabei Stahlfederbäume verwendet, deren Kopfeisen aufgrund ihrer speziellen Formung extrem widerstandsfähig sind. Was gerade für Springsättel besonders wichtig ist. Denn die Auflast des Reiters beim Auffußen des Pferdes nach dem Sprung beträgt ein Mehrfaches seines Körpergewichts. Minderwertige Kopfeisen können sich bei dauerhafter starker Beanspruchung des Sattels verformen, so dass sich dadurch die gesamte Sattelsymmetrie ändert, und der Sattel damit unbrauchbar wird.

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Für die Sicherheit des Reiters ist auch ganz wichtig, dass die Sturzfedern, an denen die Steigbügelriemen befestigt werden, stabil mit dem Sattelbaum vernietet sind. Charlotte Lemke: „Ich empfehle aus Sicherheitsgründen immer solche Sturzfedern zu verwenden, die sich im Falle eines Sturzes öffnen, damit sich der Bügelriemen lösen kann, und sich der Reiter nicht im Steigbügel verfängt und schlimmstenfalls von seinem Pferd mitgeschliffen wird. Gerade im Bereich der Sättel für barockes Reiten finden sich aber noch immer auch starre, geschlossene Sturzfedern ohne „Sollbruchstelle““ so die Expertin weiter.

 

Jeder Sattel ein Unikat

Neben einem hochwertigen Sattelbaum spielt natürlich das Sattelleder eine ganz entscheidende Rolle. Bei Stübben kommt ausschließlich hochwertiges, vollnarbiges Rindleder von ausgewählten Lieferanten zum Einsatz. Ganz wichtig ist den Kempenern dabei, dass das Leder im Metal Free Verfahren gegerbt wurde und die Gerberei, beispielsweise durch die Verwendung eigener Kläranlagen, nachhaltig produziert. Lemke: „Billiges Leder aus Drittländern ist häufig kostengünstig mit hochgiftigen Schwermetallen gegerbt. Viele dieser Stoffe verbleiben dann bei der weiteren Verarbeitung in der Tierhaut und somit im Sattel. Unsere Sättel sind aufgrund des verwendeten Leders aus pflanzlicher Gerbung für Pferd und Reiter gesundheitlich unbedenklich. Allerdings ist diese Art der Gerbung aufwändiger und damit auch etwas teurer“. Und da Leder ein reines Naturprodukt ist, sieht natürlich jede Kuhhaut anders aus. Charlotte Lemke weist dabei auf einen überraschenden Umstand hin: „Werden Kühe gesund gehalten, stärkt das ihre Hautstruktur, und umso hochwertiger ist später auch ihr Leder. Für Sättel wären mir glückliche Almkühe am liebsten, die den ganzen Tag draußen an der frischen Luft leben, und sich auf ihren Almweiden rundherum gesund ernähren und bewegen können“ ergänzt sie lachend. Vernarbte Hautstellen gelten dabei nicht als qualitativ minderwertigeres Leder. „Aber achten Sie darauf, dass sich Hautvernarbungen nicht an beanspruchten Stellen im Sitz- und Beinbereich befinden. Eine kleine Narbe am Rand des Sattelblatts ist kein qualitätsrelevanter Makel“ sagt die Sattlermeisterin.

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Alles in Bewegung

Soll der Sattel Ihrem Pferd ein ganzes Pferdeleben lang passen, sollten Sie auch darauf achten, dass sich die Trachten des Sattels nachpolstern lasen. Als Füllung verwendet Stübben auch hier ein natürliches Wolle-Baumwolle-Gemisch. Auf Wunsch des Kunden können aber auch Formkissen aus Schaumstoff oder Latex eingebaut werden, die sich allerdings nicht mehr nachbearbeiten lasen. Die Möglichkeit, die Passform des Sattels durch Nachbearbeiten der Trachtenfüllung verändern zu können, ist deshalb so wichtig, weil sich auch ein Pferderücken ein ganzes Leben lang beständig verändert. Jungpferde bauen Rücken- und Schultermuskeln auf, wodurch der Sattel seine Passgenauigkeit verliert und angepasst werden muss. Die Rückenmuskulatur älterer Pferde verliert mit fortschreitendem Alter an Spannkraft, so das auch hier vom Fachmann immer wieder mal nachgebessert werden muss.

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Nicht „von der Stange“

„Möchten Sie sich einen neuen Sattel zulegen, sollten Sie dafür idealerweise einen Sattler zu Ihrem Pferd kommen lassen. Er wird den Pferderücken vor Ort vermessen, und sich auch den Reiter oder die Reiterin ganz genau anschauen: Wie sind die Körperproportionen des Reiters, hat er oder sie eher ein kurzes oder ein langes Bein usw. Und natürlich wird sich der Sattler auch ganz genau erkundigen, für welchen Zweck der Sattel gedacht ist. Soll es ein reiner Spring- oder Dressursattel sein? Wie intensiv wird der Sattel beansprucht, liegt er nur auf einem Pferd, oder hat der Reiter mehrere Pferde im Beritt? Stübben hat hierfür eigene Sattler, die nach einem ersten Gespräch mit einer Vorauswahl an Sätteln zu Ihnen in den Stall kommen“ erläutert Charlotte Lemke den Ablauf einer Sattelberatung.

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Wenn es also auch etwas aufwändiger ist, sich beim Kauf eines Sattels vor Ort von einem Fachmann beraten zu lassen als sich einen vielleicht etwas günstigeren Sattel „von der Stange“ zu kaufen, zahlt sich dieser kleine Mehraufwand im Laufe der Jahre um ein Vielfaches wieder aus. Und es soll ja sogar Sättel geben, die bereits über Pferdegenerationen hinweg treu ihren Dienst zwischen Reiter und Pferd leisten. Jedenfalls, wenn sie von Stübben sind…