Reiten ist ein sehr zeitintensives Hobby. Wartet dann noch der Familienhund zuhause auf seine tägliche „Gassi-Runde“, kann der tägliche Zeitplan des Zweibeiners schnell aus den Fugen geraten. Ein gemeinsamer Ausritt mit der Fellnase gewissermaßen „bei Huf“ kann dann ein guter Kompromiss sein, beiden Vierbeinern gleichermaßen gerecht zu werden. Aber was muss ein guter Reitbegleithund können? Und welche Rassen eignen sich am besten?

Ist auf einem Reiterhof Hochbetrieb, kann es dem unvoreingenommenen Betrachter manchmal scheinen, dass sich dort mehr Hunde als Pferde aufhalten. Und in der Tat teilen sehr viele Pferdenarren ihr Leben auch mit einem Hund. Der natürlich mitkommt, wenn es nach der Arbeit oder am Wochenende zum Pferd geht. Doch dass sich der große und der kleine Vierbeiner problemlos verstehen, ist kein Naturgesetz. Im Gegenteil ist der Instinkt des Pferdes zunächst einmal auf „Gefahr“ gepolt, sobald sich ihm ein Hund nähert. Denn das Pferd hat im Verlauf seiner Evolutionsgeschichte gelernt, vor Raubtieren Reißaus zu nehmen und ihnen aus dem Weg zu gehen. Was natürlich auch erklärt, weshalb sich manche Pferde mit Hunden so gar nicht arrangieren können. Dabei spielt es dann auch keine Rolle, ob das „Raubtier“ ein kleiner Chihuahua oder ein stattlicher Golden Retriever ist.

 

Vorsichtiges Gewöhnen

Wer mit Pferd und Hund gleichzeitig unterwegs sein möchte, trägt natürlich auch die Verantwortung für beide Vierbeiner. Damit ein Ausritt nicht zum Stresstest wird, sollten Hund und Pferd perfekt aufeinander eingespielt sein. Dazu zählt auch, dass Herrchen oder Frauchen den Jagdtrieb ihres Hundes unter Kontrolle haben, und der Hund absolut Kommandosicher ist. Zudem muss er stets einen sicheren Abstand zu den Pferdebeinen halten. Denn ein Tritt mit dem Huf kann ein Hundeleben rasch beenden. Und das aufgeregte Umherrennen eines spurenwitternden Hundes kann selbst das phlegmatischste Pferd irgendwann unruhig werden lassen. Was dann natürlich auch für den Reiter keine schöne Sache ist.

Die wichtigste Voraussetzung, dass ich die beiden Vierbeiner verstehen, ist die vorsichtige Gewöhnung aneinander. Achten Sie bei der Kontaktaufnahme genau darauf, wie sich ihre Schützlinge verhalten. Zeigt einer der beiden, dass es ihm für den Moment zu viel wird, dann besser wieder trennen, und es zu einem späteren Zeitpunkt nochmal versuchen. Dabei bitte nicht ungeduldig werden, denn bis Pferd und Hund ein gutes Team werden, kann es durchaus mehrere Monate dauern. Doch Geduld zahlt sich auf jeden Fall aus. Denn je gründlicher die Gewöhnungsphase, desto sicherer das Verhalten der Tiere zueinander.

Steht Ihr Pferd in einem Pensionsstall, dann klären Sie vor dem ersten Besuch mit Ihrem Hund, ob Ihre Fellnase auf dem Hof überhaupt gerne gesehen ist. Denn manche Stallbetreiber haben mit fremden Hunden auf dem Hofgelände schlechte Erfahrungen gemacht. Weshalb es durchaus sein kann, dass Hunde grundsätzlich nur angeleint mitgeführt werden dürfen oder sogar ganz verboten sind. Darf der Hund mit zum Pferd, muss er auf jeden Fall einen perfekten Grundgehorsam haben, darf in Gegenwart des Pferdes nicht bellen oder schnappen, und natürlich auch keine Anstalten machen, auf der Weide oder der Koppel andere Pferde zu jagen. Und selbstverständlich bleibt er in jedem Moment unter der unmittelbaren Aufsicht von Frauchen oder Herrchen, wenn er sich frei auf dem Hofgelände bewegt.

 

Kondition und Ausdauer

Nicht alle Hunde eignen sich gleichermaßen gut als Reitbegleithund. Vertreter kleiner Rassen haben verständlicherweise mehr Probleme, mit einem Pferd Schritt zu halten als große Rassen. Und auch das Alter spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle. Junge, noch im Wachstum befindliche Hunde kommen als vierbeinige Begleiter am Pferd grundsätzlich nicht in Frage, da ihre Muskeln, Bänder, Sehnen und Gelenke schnell überfordert und geschädigt werden können. Zum Pferd geht es für den Hund deshalb immer erst im Erwachsenenalter.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die körperliche Fitness der Fellnase. Ein Hund, der sich schon von sich aus nicht viel bewegen mag, wird als Reitbegleithund sicher keinen Spaß an seinem Job haben. Für welche Rasse Sie sich entscheiden, ist dabei eher eine Geschmackssache. Stimmen Alter, Fitness, Kondition, Ausdauer und der Gehorsam, ist die Rasse im Wesentlichen eine Nebensache. Es gibt aber Hunderassen, die sich aufgrund ihrer Lauffreudigkeit und Ausdauer im Allgemeinen recht gut auch als Reitbegleithunde eignen können. Dazu zählen Jack Rusell Terrier, Beagle, Border Collie, Australian Cattle Dog, Australian Shepherd, Golden Retriever und Dalmatiner. Allerdings sind gerade Hütehunde-Rassen schnell unterfordert, wenn sie immer nur brav neben dem Pferd herlaufen sollen. Sorgen Sie bei diesen Tieren deshalb mit viel Beschäftigung für den nötigen Ausgleich.

 

Vertrauen ist Sicherheit

Soll es mit Pferd und Hund nach draußen gehen, müssen Sie sich auf Ihre beiden Vierbeiner gleichermaßen gut verlassen können. Denn kommt es zu Problemen, etwa, dass der Hund doch einmal seinem Jagdtrieb nachgibt oder Ihr Pferd sich erschreckt, muss trotzdem immer gewährleistet sein, beide Tiere unter Kontrolle zu haben. Deshalb kann es sich empfehlen, sich bei einem Ausritt in Hundebegleitung mit einem weiteren, sicher im Sattel sitzenden Reitpartner zusammen zu tun. Was zudem ja meist auch viel mehr Spaß macht, als mit seinen Tieren alleine durchs Gelände zu bummeln.