Pferdehufe haben es dieser Tage schwer. Denn staubtrockene Böden und der beständig wehende, trockene Ostwind lassen das Hufhorn spröde und brüchig werden. Was dagegen hilft, und was man besser lassen sollte.

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(Foto: Antje Kulms)

Vorbeugen ist besser als heilen. Das gilt dieser Tage für ausgetrocknete Hufe ganz besonders. Bei unbeschlagenen Pferden ist es jetzt ganz wichtig darauf zu achten, dass der Tragrand der Hufsohle nicht ausfranst. Denn sonst besteht die Gefahr, dass das Horn der Hufwände einreißt und sich nachfolgend senkrechte Hornspalten bilden. Diese sind deshalb so besonders unangenehm, weil sie durch die beständige Auflast des Pferdegewichts immer weiter einreißen und dadurch nur schwer zu heilen sind. Halter von beschlagenen Pferden haben damit zwar keine Probleme. Trocknet der Hornschuh ihres Pferdes aus, kann das Horn aber an den Nagellöchern aufbrechen und ebenfalls Spalten ausbilden. Aber sein Pferd nun den ganzen Tag in die Box einzusperren, um das Austrocknen seiner Füße zu verhindern, ist natürlich keine wirklich ernstzunehmende Option. Was also tun?

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Tau statt Fett

Schon die alten Reitmeister hielten vom fleißigen Einfetten der Hufe rein gar nichts. Denn Huffett dient nicht dazu, dem Horn Feuchtigkeit zuzuführen. Seine pflegende, schützende Wirkung besteht vielmehr lediglich darin, die im Hufhorn bereits enthaltene Feuchtigkeit nicht nach außen abzugeben, sondern im Horngewebe zu halten. Wer sich also mit Huffett an den Füßen seines Reittiers zu schaffen macht, sollte auch wissen warum. Denn die feuchtigkeitskonservierende Wirkung funktioniert ja auch bei Hufen, die von sich aus schon zu viel Feuchtigkeit enthalten und dadurch einen zu weichen Hornschuh aufweisen. Mit Huffett oder Huföl sollte man also ausgesprochen sparsam umgehen.

Auch die Methode, eine mangelhafte Hornkonsistenz durch den Einsatz von Lorbeeröl zu bessern, ist so eine Sache. Denn dessen Inhaltsstoffe wirken Zellschädigend, und sollen, am Kronrand aufgetragen und einmassiert, den Körper anregen, durch die Bildung neuer Zellen das Hufwachstum zu fördern. Aber ob das bei einem Pferd mit sowieso schon schlechtem Hufwachstum wie gewünscht funktioniert, ist leider nicht immer so sicher. Pferden, die sich nach dem Beschlagen schon bald wieder ihre Eisen ausziehen, kann stattdessen eine mehrmonatige Gelatine-Kur helfen. Zwei Esslöffel Gelatinepulver pro Tag unters Futter gemischt kann dazu beitragen, die Konsistenz des Hornschuhs nachhaltig zu bessern.

Viel besser als das Bearbeiten der Hufe bei extrem trockenem Wetter mit Öl, Fett oder Teer ist die Pflege durch die Natur. Denn die beste Hufpflege ist der morgendliche Tau der Weide. Pferdehorn ist hygroskopisch, also wasseranziehend. Kommen die Pferde schon früh auf die Weide, „wässern“ sie beim Frühstücken ganz nebenbei auch ihre Hufe, bis die Vormittagssonne das Gras getrocknet hat. Das hält ihre Füße elastisch und gesund.

Das Problem ist derzeit allerdings, dass die meisten Pferdeweiden bereits sehr kurz abgeweidet sind und durch das anhaltend trockene Wetter kaum noch nennenswerten Bewuchs aufweisen, der den Tau des Morgens aufnehmen könnte. Hier können Sie aber der Natur durch das Wässern der Hufe nachhelfen. Dabei bringt es allerdings nichts, ‚mal eben‘ für fünf Minuten den Wasserschlauch auf die Hufe zu halten. Bringen Sie Ihrem Pferd besser bei, dass es seine Hufe in einen mit Wasser gefüllten Eimer oder -besser- großen Bottich stellt, und darin für eine Weile geduldig stehenbleibt. Das kostet Anfangs zwar Nerven, lohnt sich aber sehr. Denn auf diese Weise können Sie den Feuchtigkeitshaushalt ausgetrockneter Hufe sehr nachhaltig unterstützen. Allerdings nur, wenn Ihr Pferd seine Hufe auch wirklich etwa 15 bis 20 Minuten lang im Wasser behält.

Schon die Fuhrleute vergangener Tage wussten übrigens um die pflegende Wirkung von Wasser auf die Hufe ihrer Pferde. Zur Zeit der Kutschen und Gespanne suchten die Gespannlenker bei anhaltend trockenem Wetter am Ende des Tages stets eine flache Stelle in einem Fluss auf, und stellten ihre noch angeschirrten Pferde mitsamt den Wagen für eine Zeit ins Wasser. Das regulierte nicht nur den Feuchtehaushalt der Hufe, sondern war auch eine Wohltat für die strapazierten Bänder und Sehnen der Beine. Das Wasserbad war aber auch insofern ganz wichtig für die Gespanne, als dass es verhinderte, dass die hölzernen Kutschenräder austrockneten und sich zusammenzogen, und sich dadurch die schmiedeeiserne Bereifung löste.

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Auf die Farbe kommt es an

Ob ein Huf mit extremen Bedingungen wie Trockenheit, aber auch Nässe gut oder weniger gut zurechtkommt, hängt auch ein Stück weit von der Farbe des Hufhorns ab. So neigen helle Hufe öfters zu Problemen mit der Hornkonsistenz als dunkle. Und viele Schmiede machen immer wieder die Erfahrung, dass die Hufeisen an hellen Hufen nicht so lange halten wie an dunklen Pferdefüßen. Eine wirklich schlüssige wissenschaftliche Begründung dafür gibt es bisher nicht. Aber schon ein altes Sprichwort unter Reitern besagt: „Vier weiße Hufe – gar nicht erst kaufen. Drei weiße Hufe – behalt’s nicht zu lange. Zwei weiße Hufe – schenk‘ es einem guten Freund. Ein weißer Huf – behalte es ein Leben lang“ - Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier immer wieder die Regel.

Der Hinweis, warum man ein Pferd mit nur einem weißen Huf nicht mehr aus der Hand geben sollte, entstammt übrigens einer uralten arabischen Legende. Demzufolge sollen Pferde mit einem weißen Bein ihrem Reiter Glück bringen. Dieser Aberglaube aus dem Orient ist möglicherweise schon mit den Kreuzrittern des Mittelalters nach Europa gekommen. Der selben Legende nach ist es auch ganz praktisch, wenn der weiße Huf zu einem Hinterbein gehört. Denn die Beduinen beschlugen bei ihren Pferden einst immer nur drei Hufe weil sie glaubten, das mache das Pferd trittsicherer. Ob’s stimmt, sei jetzt mal dahingestellt…