Reiten und der Umgang mit dem Pferd macht Kindern unglaublich viel Spaß, und fördert so ganz nebenbei auch die psychische und seelische Entwicklung. Regt sich beim Nachwuchs der Wunsch, Reiten zu lernen, beginnt für die Eltern die Suche nach einer passenden Reitschule. Worauf Sie dabei achten sollten.

„Ich möchte soooo gerne Reiten lernen!“ Der innige Wunsch ihres Kindes, in die Welt der Pferde einzutauchen, stellt Eltern vor die Herausforderung, erst einmal die richtige Reitschule zu finden. Der heutzutage übliche Weg, sich vorab übers Internet zu informieren, hilft dabei nur bedingt weiter. Denn ob ein Reitschulbetrieb wirklich guten und vor allem kindgerechten Reitunterricht gibt, lässt sich am Bildschirm nicht beurteilen.

 

Umhören und fragen

Auf dem Weg in den Sattel kann es helfen, sich zunächst im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören und dabei mitzubekommen, welche Erfahrungen Eltern bereits reitender Kinder bei der Reitschulsuche gemacht haben. Einfacher ist es natürlich, wenn der eigene Sprössling schon einen bestimmten Hof bevorzugt, etwa weil dort schon Freunde oder Klassenkameraden reiten. Was aber nicht unbedingt heißen muss, dass sich Ihr Sohn oder (meistens) Ihre Tochter dort ebenfalls wohl fühlen wird. Wichtige Kriterien sind natürlich auch, ob der Hof für Ihr Kind gut mit dem öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen ist. Es erleichtert in der familiären Tagesplanung vieles, wenn Mama oder Papa sich nicht zu jeder Reitstunde zum „Taxidienst“ aufteilen müssen.

 

Selbst ansehen

Ist nach gründlichem Umhören dann ein Reitbetrieb in die engere Wahl gekommen, ist als nächstes ein Besuch vor Ort und mit Kind angesagt. Zwar sagt man, dass nur der erste Eindruck zählt. Das ist aber für den Besuch eines Reibetriebs nur bedingt zutreffend. Denn der Betreiber muss ja nicht nur die täglichen Reitstunden abdecken, sondern sich meist auch selber noch um die Versorgung seiner Vierbeiner kümmern. Da kann dann schon mal das eine oder andere Pferdeutensil nicht immer säuberlich an seinem Platz zu finden sein.

 

Geben Sie deshalb dem Hof ruhig eine zweite Chance. Viel wichtiger als ein ordentlich hergerichtetes Erscheinungsbild ist der Eindruck, den die Schulpferde hinterlassen. Stehen sie ordentlich im Futter, oder sind sie zu dick oder zu dünn? Haben sie ein glänzendes Fell? Gehen sie schwungvoll und entspannt unter dem Reiter? Wirken sie dabei zufrieden und gelassen? Wenn ja, ist alles ok. Wenn nicht, sollten Sie die Suche besser von Vorne beginnen.

 

Machen Sie sich als nächstes einen Eindruck von der allgemeinen Stimmung in der Reitbahn und auf dem Hof. Zwar gehört der „Kasernenhofton“ der Reitlehrer alten Schlages zum Glück längst der Vergangenheit an. Doch Reiten hat immer etwas mit Selbstdisziplin (nicht nur) im Sattel zu tun. Und dazu gehört nun mal auch, dass sich ein Reiter von seinem Reitlehrer die eine oder andere Korrektur an seinen Aktivitäten im Sattel gefallen lassen muss. Und je nachdem, wie und in welchem Ton diese erfolgt, kommt nicht jedes Kind gleich gut damit zurecht. Deshalb ist es ganz wichtig, darauf zu achten, welcher Umgangston in der Reithalle herrscht. Und nicht nur dort ist ein entspanntes Miteinander wichtig, auch in der Stallgasse muss das „Klima“ stimmen. Wird auf dem Hof viel gelacht, und haben Sie den Eindruck, dass die „Reitkinder“ viel Spaß mit den Pferden und auch untereinander haben, ist das schon mal ein dicker Pluspunkt für den Hof. Denn schließlich soll sich Ihr Kind dort wohlfühlen. Neben den Reitstunden ist das soziale Umfeld einer Reitschule für Eltern ein gar nicht hoch genug einzuschätzender (Wohlfühl-) Faktor. Denn für so manches Kind, mehr noch für viele jugendliche Reiterinnen und Reiter ist „ihr“ Pferdehof im Laufe der Zeit tatsächlich eine Art „zweite Heimat“ geworden. Hier wird nicht nur geritten, es passieren auch im sozialen Miteinander neben der Reitbahn ganz viele Dinge, die auch für das Leben außerhalb des „Ponyhofs“ wichtig werden können. Es werden Freundschaften geschlossen, es finden sich Cliquen, manchmal gibt es natürlich auch ein wenig Zank und Streit. Ein guter Reitschulbetreiber wird aber auch außerhalb der Reitstunden immer ein Auge für das Miteinander auf seinem Hof haben und für seine Reitschüler da sein.

 

Fit für den Sattel?

Haben Sie und Ihr Kind sich für einen Reiterhof entschieden, empfiehlt es sich als nächstes, einmal eine Probestunde zu vereinbaren. Damit kann Ihr Kind herausfinden, ob Reiten tatsächlich so ist, wie es sich das vorgestellt hat. Oft zeigt sich dabei dann auch, wie viel Talent der Nachwuchs bereits mitbringt. Stellt sich heraus, dass es hierbei durchaus noch „Luft nach oben“ gibt, kann es auch helfen, den Sprössling zunächst zum Voltigieren anzumelden. Denn das „Turnen auf dem Pferd“ vor dem Wechsel in den Sattel ist für viele Kinder die beste Vorbereitung für eine reitsportliche Laufbahn. Das Voltigieren fördert die kindliche Feinmotorik und Balance, was später dann wiederum für mehr Sicherheit im Sattel sorgt. Derart voltigiersportlich vorbereitet, kann es dann bald auch mit den ersten Longenstunden losgehen.