Die Blätter färben sich bunt und fallen von den Bäumen, die Temperaturen sinken  und der Winter rückt allmählich näher. Der Pferdekörper weiß sich vor der bevorstehenden Kälte zu schützen, stößt das Sommerfell ab und ersetzt es mit langen Oberhaaren und flauschiger Unterwolle durch einen dicken Winterpelz. Sicherlich ist bei der Dicke des Winterfells zwischen den verschiedenen Pferderassen zu unterscheiden. So legt beispielsweise ein Shetlandpony oder ein Isländer mehr Winterfell an als ein Warm- oder Vollblüter. Mit dem Wachstum des Winterfells beginnen auch wieder die Diskussionen über das Scheren und der damit verbundenen Frage, ob es besser ist das Pferd von seinem Winterkleid zu befreien oder eben nicht. Tatsächlich gibt es Argumente, die sowohl für als auch gegen das Scheren sprechen. Daher sollte sich jeder Reiter darüber im Klaren sein, was für ihn und sein Pferd am idealsten ist.  

 

So ist es durchaus sinnvoll das Pferd zu scheren, wenn mehr Zeit in das Trockenführen oder Trockenreiben investiert wird, als in die eigentliche Trainingseinheit. Bei Pferden, die nicht intensiv gearbeitet werden, die lediglich ein bis zwei Mal die Woche etwas Schritt durchs Gelände geritten werden, erscheint das Scheren der Pferde relativ unnötig.  

 

Die Haut des Pferdes ist für die Isolation zuständig und damit genau wie bei uns Menschen für die Regulierung der Körpertemperatur verantwortlich. Bei einem geschorenen Pferd fehlt die isolierende Luftschicht im Fell, die sie warmhält. Das fehlende, wärmende Fell muss daher mit Hilfe einer Decke ersetzt werden. 

 

Ist das Pferd nach dem Reiten regelmäßig stark verschwitzt und trocknet sehr langsam, liegt es nahe, das Pferd von seinem Winterfell zu befreien, indem es geschoren wird. Aber wie sieht nun die richtige Schur aus, wann sollte ich scheren und muss ich anschließend etwas bezüglich meines Reitequipments beachten? 

Einen festgelegten Zeitpunkt, wann das Pferd geschoren werden sollte gibt es nicht. Es ist allerdings sinnvoll so lange abzuwarten bis sich das Winterfell des Pferdes vollständig gebildet hat. Daher ist es ratsam bis circa Anfang/Mitte Oktober mit dem Scheren des Pferdes zu warten. Empfehlenswert ist es das Pferd dann im Januar nochmals zu scheren, wenn das Fell bereits stark nachgewachsen ist. 

 

Bezüglich der optimalen Schur haben wir bei Reitsportsattlerin Luisa Herbst nach ihren Erfahrungen gefragt. Immer wieder trifft Luisa auf Pferde, die ohnehin in der Sattellage sehr empfindlich sind. Selbst bei Pferden, die bis dahin keinerlei Empfindungsauffälligkeiten zeigten, können nach einer Schur Probleme in der Sattellage auftreten. “In den Bereichen wo ein Pferd geschoren wird, können sehr schnell enorm empfindliche Stellen am Fell entstehen. Das Fell stellt eine sogenannte Schutzfunktion für die Haut des Pferdes dar und somit sind die geschorenen Hautpartien eines Pferdes schneller reizbar. Aufgrund dessen ist es zu empfehlen, an einigen Stellen das Fell stehen zu lassen. Gerade weil das Fell eine Schutzfunktion für die Haut darstellt ist es vernünftig das Fell im Bereich der Sattel- und Beinlage stehen zu lassen. Insbesondere sollte man darauf achten, dass die Schur nicht genau im hinteren Sattelbereich, beziehungsweise genau dort, wo die Auflagefläche des Sattels aufhört, endet. Denn in diesem Bereich kann es dazu führen, dass das Fell sich dort großflächig wegscheuert. Auch in der Gurtlage können Scheuerstellen entstehen, weshalb ich auch hier das Fell stehen lassen würde.”  So die Expertin.

 

Um zu der Ausgangsfrage zurück zu kehren: scheren oder nicht scheren? Der Reiter muss letztendlich entscheiden, was für das Pferd das Beste ist. Eine große Rolle spielt dabei sicherlich die Nutzung des Pferdes. Steht eine intensive Winterarbeit bevor, macht es durchaus Sinn das Pferd zu scheren. Steht das Pferd hingegen den Winter über draußen, sollte ihm sein warmer Winterpelz lassen.