Im Training von Pferden ist Lob der allerbeste Motivator. Aber was empfinden Pferde eigentlich als Lob? Und was kommt bei ihnen gar nicht gut an?

Wer dieser Tage wenig Gelegenheit hat, seine Freizeit reitenderweise mit seinem Pferd zu teilen, kann sich auf andere Aufgaben stürzen, um die Langeweile aus dem Pferdealltag zu vertreiben. Dazu zählen beispielsweise kleine „Denksportaufgaben“ aus der Zirzensik. Hierbei kommt es weniger auf die körperliche Leistung an, sondern vielmehr auf die Leistungsfähigkeit der „kleinen grauen Zellen“ im Pferdekopf. Was im Übrigen auch ganz ordentlich Energie kostet, denn das Gehirn verbraucht etwa 70 Prozent der verfügbaren Körperenergie!

Die beste und nachhaltigste Methode, einem Pferd kleine Kunststückchen wie das „Kompliment“, den „Spanische Tritt“ oder das gezielte Heben eines Vorderhufs beim „Guten-Tag-Sagen“ beizubringen, ist ausgiebiges Loben. Doch damit Ihr Lob auch richtig ankommt, gibt es einiges zu beachten. Hat Ihr Pferd eine geforderte Bewegung oder ein Signal von Ihnen richtig ausgeführt, bleiben Ihnen maximal drei Sekunden Zeit, positiv zu reagieren. Ein verspätetes Lob verfehlt sein Ziel, weil das Pferd das Lob dann nicht mehr mit seiner vorangegangenen Aktion in Verbindung bringen kann.Ob sich das Loben auf ein Leckerli bezieht oder auf ein freundliches Stimmsignal (etwa das aus einer bestimmten Fernsehserie wohlbekannte „priiiiieeema gemacht!“), liegt im Belieben jedes einzelnen. Liebe soll ja auch bei Pferden durch den Magen gehen. Sagt man. Es gibt aber zumindest bei Hunden bereits wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass sich die Tiere über ein stimmliches Lob und eine damit verbundene Streicheleinheit viel mehr freuen als über ein Leckerli. Ob das für Pferde auch gilt, ist zwar wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen. Es hätte aber den Vorteil zu vermeiden, dass die Pferde beim Loben sofort gierig nach dem Leckerli schnappen oder am liebsten gleich ganz in die Tasche mit den Belohnungen hineinklettern möchten, statt ich auf das Lob einzulassen.

 

Streicheln oder klopfen?

Der freundschaftliche Klaps auf die Pferdeschulter – wir alle sehen diese erlösende Geste nicht nur immer wieder bei den Profis auf großen Turnierveranstaltungen im Fernsehen, wenn der Parcours, die Dressuraufgabe perfekt geklappt hat und der Turniersieg für den Reiter in greifbare Nähe gerückt ist. Doch diese Art zu loben hat ihre Tücken. Denn auf der Mittellinie des Schulterblatts befindet sich bei Pferden die sogenannte „Schulterblattgräte“. Diese steht im rechten Winkel zum ansonsten platten Schulterblattknochen nach außen. Und das wiederum bedingt, dass sich zwischen der Oberkante der Schulterblattgräte und der darüberliegenden Haut fast keine polsternde Gewebeschicht befindet. Von den ganz pummeligen Exemplaren unter unseren Vierbeinern vielleicht einmal abgesehen. Der wohlmeinende Klaps mit der flachen Hand auf die Schulter ist für Pferde deshalb eher unangenehm und jedenfalls keine wohlige Empfindung. Gewöhnen Sie sich deshalb am besten an, Ihr Pferd am Hals lobend zu streicheln, statt an der Schulter „anzuklopfen“.

 

Voll bei der Sache

Dass das Pferd beim Beibringen neuer Kunststücke und Lektionen voll bei der Sache sein muss, liegt auf der Hand. Dass aber auch der Trainer oder die Trainerin selber für die Zeit des Trainings (und eigentlich auch sonst) komplett im Hier und Jetzt bei seinem oder ihrem Pferd sein muss, scheint für manche Pferdemenschen noch keine Selbstverständlichkeit zu sein. Doch das Loben im genau richtigen Moment braucht die volle Konzentration des Zweibeiners – für ein klingelndes Handy oder wohlmeinende Ratschläge Anderer ist in diesem Moment kein Platz. Ganz wichtig: loben Sie konsequent. Das bedeutet natürlich nicht, das Tier zu rügen wenn es etwas nicht wunschgemäß macht. Gelingt eine Lektion noch nicht oder nicht so gut wie sonst, liegt es (fast) immer am Mensch. Der Altmeister der klassischen Reiterei, Egon von Neindorff (1923 – 2004), brachte es einmal so auf den Punkt: „Hat Dein Pferd etwas falsch gemacht, suche den Fehler bei Dir selbst. Solltest Du trotz intensiver Suche nichts finden – dann such weiter.“ Und nicht vergessen – auch Pferde sind nicht jeden Tag gleich gut drauf. Da kann es schon mal zu dem einen oder anderen Missverständnis zwischen Mensch und Pferd kommen.

 

Ein Lob geht immer

Gelegenheiten, Ihr Pferd zu loben, gibt es nicht nur im Training, sondern auch im alltäglichen Umgang bei genauem Hinsehen mehr als genug. Das brave Geben der Hufe, das Stillstehen beim Satteln, gehorsames Folgen am durchhängenden Führstrick – alles Momente, die zwar bei jedem Pferd problemlos „sitzen“ sollten. Aber eben nicht selbstverständlich sind. Schließlich sind unsere Pferde ja keine Maschinen. Loben Sie deshalb auch in Routinesituationen. Ab und zu ein freundliches „fein gemacht“ reicht schon. Und: häufiges Loben festigt so ganz nebenbei auch das Vertrauen des Pferdes in „seinen“ Mensch, und gibt ihm Sicherheit. Ganz einfach, und auch ganz ohne Leckerlis.